Medien : Tweed, Mord und Teegebäck

Christine Neubauer einmal anders in der neuen Charlotte-Link-Verfilmung

Katrin Hillgruber

„Eine eigenartige Stille lag über Stanbury. Eine große und umfassende Stille, so als habe die Welt aufgehört zu atmen.“ So beginnt Charlotte Links ziegeldicker Psychothriller „Am Ende des Schweigens“. Das ZDF, das auf zahlreiche Verfilmungen der Wiesbadener Bestsellerautorin verweisen kann, hat das neue Werk mit enormen Verbrauch von Kunstblut in Szene gesetzt, offenbar in der Annahme, dass am zweiten Feiertag alle Delikatessen gut verdaut sein werden. Ausgerechnet eine lautere Bayerin, die das Herz in all ihren Rollen am rechten Fleck trägt, ist dazu ausersehen, das düstere Schweigen von Stanbury House aufzuklären: Christine Neubauer spielt erstmals in einem Thriller. Doch schon die Umstände, unter denen sie als deutsche Tierärztin Jessica Wahlberg ihren Freund Alexander kennenlernte, waren von der leisen Melodie des Todes umweht: Sie begegneten sich, als Jessica den Hund seiner Ex-Frau, einschläfern musste. Nun begleitet sie Alexander und dessen Tochter nach Südengland.

Im malerischen Landsitz Stanbury House, soll Jessica Alexanders beste Freunde aus englischen Internatszeiten kennenlernen: den Anwalt Leon Roth (Felix Eitner als dressierter Mann in gelber Werther-Weste), der Patricia, die Erbin des Landsitzes, geheiratet hat, sowie den Psychiater Tim Burkhard. Dessen Lieblingsbeschäftigung während der Ferien besteht darin, vor versammelter Mannschaft seine Frau Evelin zu demütigen. Sie wird von Gesine Cukrowski gespielt, die ihr Talent für zwielichtige Femmes fatales wiederholt unter Beweis gestellt hat. Evelin erscheint als prädestiniertes Opfer, mit dem sich Jessica solidarisiert. Jessicas Lebensgefährte fühlt sich in Gesellschaft seiner angeblich besten Freunde unwohl, nachts plagen ihn Albträume. „Die drei Deutschen“ hießen sie im Internat. Damit muss es eine eigene Bewandtnis haben, die in Zusammenhang mit einer anklagend dreinblickenden Besucherin des Friedhofs steht. Zur Verzweiflung seiner Freundin und zum Wohl der Handlung wahrt Alexander sein Schweigegelübde, bis es zu spät ist. Jessica bricht aus dieser bedrückenden Atmosphäre zu ausgedehnten Wanderungen auf. Als sie ein Lamm vor dem Ertrinken retten will, droht sie selbst vom Fluss mitgerissen zu werden. Da reicht ihr ein attraktiver Naturbursche die starke Hand. Da Rettungssituationen ja oft erotisch konnotiert sind und hier auch noch bukolische Schäfer-Romantik hinzukommt, werden sich die beiden Außenseiter noch öfter begegnen.

Die vielen Toten in der ersten Hälfte des Films hätten zur Senkung der Kosten beigetragen, sagte Produzentin Regina Ziegler. Sie kann sich zugutehalten, mit der Verfilmung des Mehrteilers „Sturmzeit“ 1999 Charlotte Link fürs ZDF entdeckt zu haben. Ein riesiger Golden Retriever, der sich mitten im Raum schlafen gelegt hatte, war der Einzige, der sich bei der Pressevorführung des Films von Zieglers Ausführungen unbeeindruckt zeigte. Seit den legendären Edgar-Wallace-Verfilmungen ist es immer wieder unterhaltsam zu sehen, mit welch teutonischem Ernst hierzulande britisches Flair kreiert wird. Bei diesem Beispiel bleibt trotz aller unfreiwilligen Komik das Gurkensandwich im Halse stecken.

„Das Ende des Schweigens“,

26. Dezember, ZDF, 21 Uhr 45

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