Twitter-Aus in der Türkei : Häme, Hilfe, Hoffnung

Seit der Sperrung des Kurznachrichtendienstes Twitter in der Türkei brodelt die Empörung im Netz. Ministerpräsident Erdogan wird mit Häme überzogen. Und die türkischen Nutzer bekommen praktische Tipps, wie sich die Sperre umgehen lässt.

Ludwig Rubenbauer
Im Kreuzfeuer der Kritik: Ministerpräsident Erdogan
Im Kreuzfeuer der Kritik: Ministerpräsident ErdoganFoto: imago

So unterschiedlich die Reaktionen sind, praktisch alle Kommentatoren und Benutzer von Twitter eint der gemeinsame Ärger über Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan. Bei einem Wahlkampfauftritt am späten Donnerstag kündigte er noch martialisch an: "Twitter und solche Sachen werden wir ausrotten". Einige Stunden später war der Kurznachrichtendienst tatsächlich nicht mehr erreichbar.

Erdogan einsam?

Die mehrheitliche Reaktion auf Twitter: Beißender Hohn und Spott, dazu kübelweise Häme. Unter dem Hashtag #twitterisblockedinturkey spottet @RUNSTR: "Bücherverbrennung 2.0: Erdogan sperrt Twitter" Und @JessicaA_t_ hat fast Mitleid: "Erdogan will doch nur Aufmerksamkeit. Der kann das halt nicht verkraften, wenn alle über Putin reden. Fühlt sich vergessen." @Shortmaier indes befürchtet weitere Maßnahmen und sieht in Erdogan einen Trittbrettfahrer: "Nächster Schritt: In D einmarschieren, um die türkischstämmige Bevölkerung zu schützen."

Gewusst, wie es geht

Aber auch praktischer Rat und Unterstützung findet sich: @jaekle schreibt: "Twitter offiziell auf Verfügung Erdogan gesperrt - dennoch wird in der Türkei munter weiter gezwitschert - DNS umgestellt und Hadi, Hadi!" und auch @serkan_toeren weist auf die vielfältigen Möglichkeiten im Netz hin, um mit relativ wenig Aufwand die Sperrung zu umgehen. Noch schneller und deutlicher geht es über Verlinkungen: Während @efekerem für alle gängigen Betriebssysteme von Smartphones auf Schutz-Apps hinweist, finden sich auf vielen Tweets direkte Links zu externen Seiten, die das Umgehen von DNS-Servern erklären.

Ein langer Weg für die Türkei

Und auch politische Statements findet man recht schnell. So spielt @a_rickmann auf den Wahlkampf Erdogans an:"Wer sich nicht anders zu helfen weiß, als mit einem Twitter-Verbot, hat schon längst verloren." Ein drastischeres Fazit zieht @henrikMSL: "Ob es dem letzten Naivling in D jetzt noch auffällt, dass die Türkei nicht in die EU gehört?!" Prägnant fasst es @AliCologne zusammen: "Die Türkei zeigt uns, dass Demokratie nicht auch unbedingt auch Freiheit bedeutet. Das muss immer wieder neu erkämpft werden."

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