Twitter : Spam und kein Ende

Wie jede erfolgreiche Internet-Entwicklung wird nun auch Twitter von Werbemüll bombardiert.

Kurt Sagatz

Sascha Lobo ist der Paradiesvogel unter Deutschlands Bloggern. Mit seinem Irokesenschnitt und dem hochtoupierten roten Resthaar gehört er zu den auffälligen Erscheinungen auf jeder Internet-Konferenz. Er versteht er es, auf seine Anliegen aufmerksam zu machen. Aktuell beschäftigt ihn Twitter, der Kurznachrichtendienst des Internets, in dem alles mit 140 Zeichen gesagt werden muss. Sascha Lobo ist vor allem von der Mobilisierungskraft beeindruckt, die zuletzt bei der Amtseinführung von Barack Obama zum Ausdruck kam. Lobo möchte, dass auch Deutschlands Blogger davon profitieren können. Die Frage ist nur, ob diese Mobilisierung noch nötig ist. Denn Twitter übt nicht nur auf die Mitteilungshungrigen in aller Welt einen großen Reiz aus. Gerade jetzt stürzt sich die Spam-Industrie mit den unerwünschten Werbebotschaften auf das neue Spielzeug der Internet-Gemeinde. Um der Spitter-Plage – ein Kunstwort aus Spammer und Twitter – Herr zu werden, hat Twitter nun sogar Spam-Marshalls eingesetzt.

Gegen die Spammer und Spitter ist offenbar kein Kraut gewachsen, so wandlungsfähig sind sie. Den ganz gewöhnlichen Spam, der früher die Eingangsordner der E-Mail-Programme verstopfte, bekommen die meisten Internetnutzer kaum noch zu Gesicht. Den Großteil filtern Provider und intelligente Systeme bereits frühzeitig aus. Doch solange Spam nicht nur billig, sondern auch effizient ist, wird nach immer neuen Möglichkeiten gesucht, die digitale Menschheit mit Viagra-News und dubiosen Aktientipps zu versorgen. Nach den E-Mails kamen die Gästebücher, danach Internet-Foren und Suchmaschinen-Einträge, und nun sind Social-Bookmark-Seiten, Wiki-Lexika und Weblogs wie auch Twitter an der Reihe. Dabei wird Twitter zunehmend für Cyberattacken missbraucht. Anfang Januar knackte ein Hacker das Passwort eines Twitter-Mitarbeiters und verschaffte sich so Zugang zu den Twitter-Konten zahlreicher Prominenter. Darunter waren auch Britney Spears und Barack Obama, unter deren Namen der Hacker später Falschmeldungen veröffentlichte. Darüber hinaus wurden bereits mehrere Fälle bekannt, bei denen Passwortdiebe Twitter-Passwörter ergaunert haben, indem sie User auf gefälschte Websites lockten. Deshalb ist immer Vorsicht geboten, wenn man aufgefordert wird, seine Zugangsdaten ein zweites Mal anzugeben.

In den meisten Fällen werden die Twitter-Nutzer allerdings auf andere Weise Opfer der Spam-Wellen. Wie alle sozialen Netzwerke im Internet beruht Twitter auf dem Freunde-Prinzip, wobei die „Freunde“ diesmal Follower genannt werden. Wer neu ist, schließt sich einer interessanten Diskussion an, lernt so Twitter-Schreiber kennen und trägt sich als „Follower“ ein. Was die ehrlichen Twitter-Freunde können, kann die Spam-Mafia schon lange, und vor allem automatisch per Hackerskript, mit dem unvorsichtige Nutzer dazu gebracht werden, betrügerische Twitter-Accounts zu den eigenen Kontakten hinzuzufügen. So vergrößern sie ihren Verteiler für Spam- und Virenattacken.

Sascha Lobo hat seine Idee mit einer „Follower-Verlosung“ kombiniert. Dem Gewinner sollen alle Teilnehmer der Aktion zu Twitter folgen. Der Sieger sollte allerdings aufpassen, dass ihm nicht die falschen Freunde folgen. Kurt Sagatz

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