Medien : Typisch Horror-Uschi

Eine ZDF-Komödie, die weinen macht

Simone Schellhammer

Dieser Film ist ein weiterer Sargnagel für die deutsche Komödie. Er ist sinnlos überdreht, arbeitet mit den doofsten Klischees und verheizt auf stumpfe Art drei gute Schauspieler. Die drei Freunde Ferdinand (Harald Krassnitzer, zeitgleich als „Winzerkönig“ im Ersten zu sehen), Renate (Ann-Kathrin Kramer) und Roland (Christoph M. Ohrt) leben als Nachbarn in einer Berliner Altbauvilla, wo sie Drehbuchautor Justus Pfaue krampfig als Stadtneurotiker zu positionieren versucht: Ferdinand und Renate sind – wie Krassnitzer und Kramer im wirklichen Leben – ein Paar und stehen kurz vor der Zwangspfändung.

Sie ist eine verschusselte Buchhändlerin, er ein verkrachter Schriftsteller, der für die „Bäcker Blume“ schreibt und, wenn es ihm schlecht geht, immer ein Akkordeon herumschleppt, was zusammen mit den Bartstoppeln wohl die zerknautschte Künstlerseele symbolisieren soll. Der oberkorrekte Studienrat Roland, durch etliche Erbschaften ein reicher Mann, unterstützt die beiden ab und zu finanziell und lässt sich von Ferdinand bei seiner Psychotherapie begleiten, die ihn von seinem Liebeskummer wegen der Sexbombe Horror-Uschi (Xenia Seeberg) heilen soll.

Zu diesem Zweck begibt sich Roland auch in sein Haus auf Mallorca, wo er alsbald zusammen mit Renate die schlechtesten Slapstickszenen der neueren deutschen Fernsehgeschichte hinlegt, was die beiden und am Ende auch Ferdinand mit lustigen Gipsverbänden im Krankenhaus landen lässt. Zu diesem Zeitpunkt ist man als Zuschauer von dem vertrottelten Getue und dem beständigen Gute-LauneBig-Band-Gedudel bereits ziemlich angeschlagen, aber es kommt – wie zu erwarten – immer noch schlimmer.

Am Ende stellt sich heraus, dass Renate auch einmal mit Roland liiert war und er der Vater eines ihrer beiden Kinder ist. Die Tochter, die sich gleich mit zwei mallorquinischen Mariacchis eingelassen hat, bringt alsbald Zwillinge zur Welt. Die dazu herbeigeeilte schwedische Hebamme ähnelt auf frappierende Weise Renate und verliebt sich auf Anhieb in den vom Kummer kurierten Roland. Wer jetzt ob all des Irrsinns an seinem Verstand zweifelt, dem seien zum Ausgleich ein paar schöne Folgen von „Klimbim“ oder „Nonstop Nonsens“ empfohlen. Im Vergleich zu „Freundschaften und andere Neurosen“ sind diese albernen Komik-Dinosaurier erstaunlich hochklassig. Simone Schellhammer

„Freundschaften und andere Neurosen“, ZDF, 20 Uhr 15

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