Medien : Über den Dächern Berlins

RTL Radio sucht weitere Familienmitglieder

Ulrike Simon

In der Politik mag die Zeit von Rot-Grün zu Ende sein – im Berliner Radiomarkt fügen sich Rot und Grün enger zusammen denn je. Am Dienstag präsentierte RTL Radio Deutschland seine neuen Räumlichkeiten im Hochhaus des Kudamm-Karrees. Unter einem Dach auf drei Stockwerke verteilt sitzen RTL Deutschland, die Vermarktungsfirma und das fürs Administrative zuständige Radio Center Berlin. Dazu gehören außerdem die beiden Berliner Sender 105,5 Spreeradio und 104.6 RTL, programmlich und räumlich voneinander getrennt im 10. Stockwerk: Links führt ein grasgrüner Teppich zu Spreeradio, rechts führt ein Teppich in der Senderfarbe Rot zu 104.6 RTL. Die Studiotechnik sei nun auf dem modernsten Stand, freut sich der studierte Nachrichtentechniker Gert Zimmer, seit zwei Jahren Chef von RTL Radio Deutschland. Mit der Modernisierung verbindet er Hoffnungen, die er im künftigen digitalen Hörfunkgeschäft sieht.

Denn einerseits erwirtschaftete die Gattung Radio im vergangenen Jahr insgesamt zwar fast 16 Prozent mehr Werbeumsatz als 2005, so dass sich der Anteil am gesamten Werbemarkt erhöht hat. Mit 6,1 Prozent ist dieser Anteil jedoch weiterhin sehr klein. Ähnlich wie die Fernsehsender stellen sich daher auch die Radiosender darauf ein, in Zukunft neue Erlösquellen zu finden, die auf Dauer die Abhängigkeit von klassischer Spotwerbung verringern. Je nach Radiosender stammen nach Angaben von RTL-Radio-Chef Zimmer mittlerweile zwischen fünf und 30 Prozent der Erlöse aus anderen Quellen wie Telefonie, Eventmarketing oder dem Veranstalten von Wetten. Entsprechend lautet Zimmers Ziel seit seinem Antritt Anfang 2004: Digitalisierung und Profitabilisierung der dezentral organisierten Sender. Wobei sich für RTL Radio Deutschland mit seinen 20 Sendern in elf Bundesländern das Problem stellt, an den meisten Sendern nur Minderheitsbeteiligungen zu halten. Gesellschafts- wie medienrechtlich verbietet sich der Wunsch, eine nationale Dachmarkenstrategie zu verfolgen, um bei Werbungtreibenden als nationaler Anbieter aufzutreten. Dennoch schreitet die Familienbildung voran, wenn auch bislang beschränkt auf die regionalen Märkte. Größter Konkurrent der beiden RTL-Sender 104.6 und Spreeradio sind die Regiocast-Sender mit rs2 an der Spitze, die sich unter dem Dach der Top Radio gemeinsam vermarkten.

Neben der Digitalisierung will Zimmer Synergiemöglichkeiten ausbauen. Dazu gehöre das „freiwillige“ und „erstaunlich rege genutzte“ Angebot an alle Sender, an denen RTL beteiligt ist, untereinander überregionale Programmelemente auszutauschen. Dazu gehöre aber auch die Entwicklung weiterer Sonderwerbeformen nach dem Vorbild des zentral vermarkteten FIFA WM 2006-Radios, einer Plattform von 23 Hörfunkstationen während der Fußball-Weltmeisterschaft – laut Zimmer eine „hoch profitable Unternehmung“.

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