Medien : Über die Lust der Querulanten

Eckart Lottmann

Herrn Fiedler stört die ewige Musikberieselung in Kaufhäusern. Deshalb bittet er die Verkäufer, die Musik auszuschalten – so lange, wie er einkauft. Als Präsident des Vereins „pipedown“ (Lautsprecher aus) ermutigt Fiedler Gleichgesinnte, überall dort einzuschreiten, wo die Musikbeschallung stört. Ist Fiedler eine „Nervensäge“? Ein „Querulant“?

Thilo Knops und Kirsten Waschkau stellen mehrere Männer vor, die alle etwas vom Querulantentum haben. Da ist Kurt Werner, der sichtlich stolz ist auf den Titel „König der Querulanten“, den ihm ein Journalist verpasst hat. Kurt Werner war Studienrat an einer Berufsschule. Irgendwann bekam er Ärger, wurde krank – für anderthalb Jahre. Vom Amtsarzt wollte er sich nicht untersuchen lassen, deshalb wurde er in den Ruhestand versetzt. Werner aber wollte noch Oberstudienrat werden. Deshalb schrieb er Brief um Brief, Beschwerden, etwa 2000 insgesamt. Der Göttinger Amtsrichter Klaus Henning beklagt die enorme Belastung für die Justiz, die aus all diesen Eingaben resultiere.

Diese Form des Querulantentums bindet Energie und Arbeitszeit vieler Menschen. Allerdings kostet umgekehrt der Amtseifer so mancher Bürokraten Lebenszeit der Bevölkerung. Helmut Windisch ist ein Beispiel dafür: X Formulare musste er besorgen, nur weil er Regenwasser auf seinem Grundstück versickern lassen wollte. Glücklicherweise stoppte die Presse die behördlicherseits gewünschte Papierflut. Ein bisschen Querulantentum kann nicht schaden, meint der Psychiatrieprofessor Beyer, jedenfalls Anwälten nicht. Die sollen hartnäckig für Mandanten kämpfen. Zwanghaft dürfe es nicht werden. Da sind wir Deutschen wohl besonders gefährdet. Uns fehlt, so Beyer, eine „gelassene Sportlichkeit – mal hinnehmen zu können, dass der andere gewinnt.“ Und dann gibt es natürlich noch die, die sich im Kampf gegen die gesamte Umwelt wähnen, die wirklich Kranken. Mittlerweile wohl im Knast: Der als „Kirchenstörer“ bekannt gewordene Andreas Roy. Knops und Waschkau gelingt ein amüsanter Überblick mit etwas Tiefgang. Nur die Filmmusik aus dem Synthesizer nervt. Können die die Musik nicht mal abstellen, diese Nervensägen?

„Nervensägen“, ARD, 22 Uhr 45

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