Medien : Überholte "Bilder und Zeiten"

Ulrike Simon

"Der Sonntag ist für das Feuilleton ein besonderer Tag. Es findet einen ausgeruhteren Leser, einen, der bereitwilliger auf Entdeckungen und geistige Reisen geht als an den Tagen zuvor." - Der Satz könnte von "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher stammen, der wie kein anderer die Sonntagsausgabe der "FAZ" propagierte. Tatsächlich stammt der Satz aus einer "FAZ"-Broschüre aus dem Jahr 1974 und beschreibt die Funktion ihrer Wochenendbeilage "Bilder und Zeiten". Die Seiten der Broschüre sind mittlerweile ziemlich vergilbt, manches ist überholt. So überholt wie die "FAZ"-Wochenendbeilage - wenn man Herausgeber Frank Schirrmacher glauben mag. Die seit 1952 im Tiefdruck auf besonders geglättetem Papier erscheinende Sechs-Seiten-Beilage wird nämlich zum Ende dieses Jahres eingestellt. Dies bestätigte Schirrmacher am Dienstag dem Tagesspiegel. Er begründet dies mit "Umstrukturierungen der Sonnabendausgabe". Die Beilage sei in einer Zeit entstanden, als die "FAZ" dem Feuilleton nur eine halbe Seite Platz eingeräumt habe, erinnert sich Schirrmacher. Inzwischen seien in der "FAZ" täglich große Sonderstücke zu finden. Zudem werde die Einstellung einher gehen mit einer Verdoppelung der Literaturrezensionen und einem höheren Grad an Aktualität.

Die anzeigenfreie Beilage, die nicht zuletzt aufgrund der aufwändigen Herstellung im Tiefdruck und auf hochwertigem Papier einen hohen Millionenbeitrag gekostet hat und nur mit langem zeitlichen Vorlauf produziert werden konnte, wurde bei der "FAZ" seit Jahren immer wieder infragegestellt. Die Entscheidung, sie nun aufzugeben, hängt aber nicht nur mit Sparmaßnahmen zusammen und hat nur ein klein wenig mit der bald ebenfalls neuen Wochenendbeilage der "Süddeutschen Zeitung" zu tun. Ein Grund sei auch die neue "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", sagte Schirrmacher. Er begründet die "Umstrukturierungen der Sonnabend-Ausgabe" damit, dass er "eine neue Brücke zum Sonntag" bauen wolle. Die Sonnabendzeitung habe früher einen hohen "Reflexionscharakter" gehabt. Inzwischen wolle der Leser an diesem Tag "Pragmatisches" und mehr "Fakten". Dennoch würden Elemente der Wochenendbeilage in die Sonnabendausgabe übernommen.

Und wie geht es der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung"? Während andere Verlaghäuser sehr niedrige Verkaufszahlen kolportieren, gibt sich Geschäftsführer Jochen Becker naturgemäß zufrieden bis optimistisch: Bereinigt um Probe-Abos verkaufe die "FAS" rund 259 000 Exemplare (Einzelverkauf plus Abos). Die Erwartungen seien somit "übererfüllt". Laut Schirrmacher erwirtschafte die "FAS" "schon jetzt weniger Verluste als die "Rhein-Main-Zeitung", die sie mit ihrem erstmaligen Erscheinen am 23. September ablöste.

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