Überraschungs-Coup : Spiegel-Online-Chefredakteur Büchner wechselt zu dpa

Noch kein Jahr steht Wolfgang Büchner als Chefredakteur an der Spitze von Spiegel Online. Schon wechselt er den Job und wird Chefredakteur von dpa.

Sonja Pohlmann

Noch kein Jahr steht Wolfgang Büchner als Chefredakteur an der Spitze von Spiegel Online und schon wechselt er den Job. Spätestens Anfang 2010 wird der 46-Jährige Chefredakteur der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er folgt Wilm Herlyn, 64, der nach 19 Jahren an der dpa-Spitze zum Jahresende altersbedingt ausscheidet. Am Dienstag wurde Büchner vom dpa-Aufsichtsrat ernannt.

Büchner sei nicht nur ein „äußerst versierter und erfahrener Journalist“, sondern auch „ein profunder Kenner der neuen, digitalen Medienwelt“, sagte Karlheinz Röthemeier, Vorsitzender des Aufsichtsrates. Mit ihm werde es der dpa gelingen, ihre Herausforderungen zu meisten – und diese sind groß.

So überlegt die Nachrichtenagentur zurzeit, ihre Redaktionen aus Frankfurt und Hamburg in Berlin zusammenzulegen, wo bereits die Redaktion für innenpolitische Berichterstattung sitzt. Das sorgt intern für erhebliche Unruhen, Verdi kritisierte die Pläne. Zudem galt die dpa als Nachrichenzulieferer lange als unverzichtbar für Medien. Doch nun hat die WAZ-Gruppe den Dienst abbestellt und spart dadurch angeblich zwei Millionen Euro.

Büchner muss als Chefredakteur deshalb dafür sorgen, dass nicht noch mehr Kunden abspringen. Er dürfte sich vornehmen, die multimedialen Prozesse in einer möglichen Zentralredaktion weiter zu beschleunigen. Nützen wird ihm dabei, dass er beide Seiten, die der Agentur und die der Kunden, gut kennt. Acht Jahre arbeitete er nach seinem Politikstudium bei Associated Press und Reuters. Seit 2001 gehört er zum Team von Spiegel Online.

Dass er, nachdem er erst im Mai 2008 zusammen mit Rüdiger Ditz die Chefredaktion übernahm, jetzt den Job wechselt, habe nichts mit Missstimmung in der Doppelspitze zu tun, heißt es aus Hamburg. Das dpa-Angebot sei einfach sehr attraktiv gewesen. Ditz wird möglicherweise alleiniger Chefredakteur bleiben. Von Spiegel Online gab es zunächst kein Stellungnahme – die Überraschung war wohl zu groß. Sonja Pohlmann

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