Übertragungstechniken : Im Internet fallen die Tore zuletzt

Manche Fußballfans dürfen früher jubeln als andere. Grund ist eine Zeitverzögerung bei der Übertragung. Welche Techniken die schnellsten sind und welche die langsamsten.

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Am Hackeschen Markt in Mitte kann in diesen Wochen in den Abendstunden ein interessanter Versuch gemacht werden. Keine Gaststätte, kein Restaurant will dort während der Fußball-Europameisterschaft auf das umsatzfördernde Public Viewing verzichten. Immer wenn ein Tor fällt, geht der Jubel wie eine La Ola über den Platz – weil die TV-Signale über die verschiedenen Verbreitungswege unterschiedlich lange benötigen.

Wenn es um den Fußball geht, ist der Fernsehzuschauer empfindlich. Bei der WM in Südafrika mussten die TV-Sender Filter gegen die Vuvuzela-Tröten entwickeln. Bei dieser EM jedoch nervt vor allem, wenn der Nachbar früher jubeln kann. Gänzlich unbegründet ist der Ärger nicht, können doch die Zeitunterschiede im Extremfall mehrere Minuten betragen. Allein beim Fernsehen gibt es bei dieser EM fünf verschiedene Übertragungswege: Satellit, Kabel, DVB-T, IP-TV sowie den Internet-Stream via ZDF-Mediathek, ARD-„Sportschau“ oder Portale wie Zattoo. Dabei sind die Ausgangsvoraussetzungen sogar für alle gleich, erklärt Uwe Wels, Leiter des Play-Out-Centers der ARD in Potsdam. Das Signal wird für alle Verbreitungswege zeitgleich zur Verfügung gestellt.

Der schnellste TV-Technik ist derzeit in der Regel der Satellit. Über diesen Weg muss das Fernsehsignal kaum verändert werden. Aber auch das EM-Duell zwischen Satellit und Kabelnetzen ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Kabelnetzbetreiber legen Wert auf die Feststellung, dass ihre Technik nicht zwangsläufig langsamer sein muss als der Satellit. Vielfach kommt es nämlich auf den eigenen Fernseher beziehungsweise die Settop-Box an. Denn die unterschiedlichen Übertragungszeiten hängen vor allem davon ab, wie oft und wie schnell das Signal bearbeitet wird. Und ein weniger guter Tuner braucht dafür eben länger. High Definition ist zudem etwas langsamer als die Standardauflösung:

Früher gab es einen Zeitvorteil für das Analog-TV. Selbst im Kabel sind diese Zeiten passé, weil das Bild aus dem digitalen Signal „re-analogisiert“ wird. Per IP-TV ist das Signal in etwa so schnell wie im Kabel. Auf dem vierten Platz landet das digitale Antennenfernsehen DVB-T. Das Signal wird hierbei zuerst von HD auf Standardauflösung heruntergerechnet, um dann für die Funkübertragung sehr stark komprimiert zu werden.

Am langsamsten ist die modernste Übertragungstechnik: Im Internet fielen die beiden Gomez-Tore am Mittwoch gut zwei Minuten später als bei den klassischen Techniken. Neben den üblichen Verzögerungen wird der Internetstream für eine unterbrechungsfreie Übertragung mehrfach gepuffert.

Wer bei der EM als erster informiert sein will, sollte das Radio einschalten. Selbst mit dem billigsten UKW-Empfänger weiß man am 1. Juli einige Sekunden früher, wer Fußball-Europameister geworden ist. Kurt Sagatz

„EM 2012: Dänemark–Deutschland, ARD; Portugal–Niederlande, EinsFestival; beide 20 Uhr 45

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