Medien : „Uff, was macht der Kerl da“

Jürgen Klopp will als ZDF-Experte bei der Fußball-WM vor allem – Spaß

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Herr Klopp, stören wir gerade beim Videostudium eines Testspiels Togo gegen Liechtenstein?

Nein, wieso?

Gehört das nicht zum Pflichtprogramm in der WM-Vorbereitung eines Experten?

Nein, ich bereite mich nicht besonders intensiv vor, mehr wie ein normaler Zeitungsleser. Ich schaue das ganze Jahr Fußball, also kann ich das auch bei der WM. Ich bin nicht derjenige, der jeden einzelnen Spieler vorstellen muss. Ich gehe eher so an die Sache ran, dass ich mich an dem erfreue, was die Spieler während der WM leisten.

Was wollen Sie den Zuschauern erzählen?

Ich mache das so, wie ich das jede Woche mit meinen Spielern bei Mainz 05 mache. Ich rede über Stärken und Schwächen einer Mannschaft. Bei der WM mache ich das genauso, nur dass ich eben nicht zu Fußballprofis, sondern zu Zuschauern spreche. Ich schaue mir ein Spiel an und sage dann: Uff, der Kerl da, den kannte ich vorher nicht. Aber was der da anstellt, ist ja sagenhaft. Diese Freude auf unerwartete Dinge ist das Schönste an einer WM.

Sie sind der jüngste Bundesligatrainer. Fürchten Sie nicht Häme, wenn Sie wie ein Besserwisser daherkommen?

Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Ich gehe ja nicht hin und mache jemandem unsachliche Vorwürfe...

... wie es zuweilen Ihr ZDF-Kollege Franz Beckenbauer macht ...

... der Franz darf das, weil er der Franz ist. Im Ernst: Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass jeder Spieler sein Bestes gibt. Mein Ansatz ist der, dass ich auf Probleme in einer Mannschaft hinweise, aber niemals einzelnen Vorwürfe machen werde. Das wäre unsachlich.

Klingt nach Schönfärberei.

Nein, keineswegs. Wenn ein Spiel schlecht ist, dann wird man mir das anmerken. Aber grundsätzlich habe ich eine so große Begeisterung für Fußball, dass ich mit der sicher nicht hinter dem Berg halte. Da müsste man mir vom ZDF schon eine Zwangsjacke anziehen.

Vier Wochen lang werden wir im Fernsehen mit der WM überschüttet werden. Ist das in dieser Form berechtigt?

Ja. Vier Wochen lang wird die Uhr einfach ein wenig anders ticken in Deutschland. Selbst auf der Arbeit werden die Menschen etwas anders drauf sein als sonst, weil fast alle vom WM-Fieber gepackt sein werden. Ich bin sicher, dass das fürs Klima im Land gut ist. Wenn man so an die Sache rangeht, dann ist das ein Riesenfest.

Denken Sie, dass der Experte Klopp dem Zuschauer das WM-Fest verschönert?

Ich will dem Zuschauer den einen oder anderen Hinweis mitgeben, der ihm vielleicht das Spiel noch ein Stück spannender macht. Das ist ja keine Veranstaltung für Trainerkollegen, sondern eine Sache für alle. Dementsprechend werde ich keine Referate halten, sondern ganz anschaulich zeigen, wieso ein Tor gefallen ist. Das kann man dank der vielen Kameras schon sehr gut erläutern.

Wo arbeiten Sie während der WM?

Die ersten 14 Tage bin ich im Sony Center in Berlin. Wenn wir von einem Stadion aus übertragen würden, dann würden wir in der Vorrunde täglich bei zwei Spielen in einer leeren Arena stehen. Dann ist das besser im Sony Center, wo immer Zuschauer sein werden. Dann hat man auch immer ein Feedback, das ich für meine Einschätzung von Spielen brauche. Und wenn Pelé im ZDF-Studio steht, werde ich meinen Mund halten.

Haben Sie Angst vor Vergleichen mit dem ARD-Experten Günter Netzer?

Das interessiert mich überhaupt nicht. Die machen das ja auch zum Glück etwas anders. Die sind im Studio, wir in Berlin unter Leuten. Dadurch unterscheiden wir uns schon sehr voneinander.

Vielleicht noch ein Tipp für die Zuschauer vor dem Fernseher.

Ganz wichtig: Ich würde viel Zeit auf der Straße verbringen, Spiele bei irgendeinem Public Viewing schauen und Spaß haben. Außerdem muss man sich eine zweite Lieblingsmannschaft neben der eigenen aussuchen. Dann kann man mit der auch mitfiebern.

Was ist Ihre zweite Lieblingsmannschaft?

Ich habe mehrere. Über die Elfenbeinküste habe ich was gelesen, was mich sehr fasziniert hat. Und ich mag Didier Drogba. Dann ist die Ukraine natürlich eine zweite Lieblingsmannschaft wegen meines ehemaligen Spielers Andrej Woronin. Und Ghana natürlich wegen Otto Addo, dem einzigen Mainzer Spieler bei der WM. Da habe ich doch schon ganz schön was zum Mitfiebern, oder?

Das Interview führte Daniel Meuren

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