Umbau : Blogosphäre statt Boris Becker

Der einstige Internetriese AOL kauft Techchrunch

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Der Umbau von AOL kommt voran. Der amerikanische Internetkonzern hat jetzt offiziell die Übernahme des renommierten Technologie- und Startup-Blogs Techcrunch bekannt gegeben. AOL will damit seine Stellung als Inhalteanbieter ausbauen und sich weiter vom defizitären Internetzugangsgeschäft lösen. AOL-Chef Tim Armstrong und Techcrunch-Gründer Michael Arrington unterzeichneten die Verträge medienwirksam während einer Techcrunch-Konferenz in San Francisco. Zum Übernahmepreis gibt es keine Angaben, in der Branche wird von einer Summe zwischen 25 und 30 Millionen Dollar ausgegangen. Zur AOL-Blogosphäre gehört bereits der ebenfalls weithin bekannte Technologieblog Engadget.

In der Hochphase der New Economy im Jahr 2000 war AOL mit 30 Millionen zahlenden Kunden der größte Internetanbieter weltweit. Mit Boris Becker als Testimonial und dem Slogan „Ich bin drin“ hatte AOL in Deutschland zur Verbreitung des Internets beigetragen. Als sich AOL und Time Warner 2001 zusammenschlossen, wurde allein AOL mit 165 Milliarden Dollar bewertet. 2009 trennte sich der Medienkonzern von AOL. In der folgenden Umstrukturierung mussten 2500 von 6900 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Zudem verabschiedete sich AOL von einigen europäischen Märkten. Nachdem in Deutschland bereits das Internet-Zugangsgeschäft abgegeben worden was, wurden auch die vier deutschen Büros geschlossen.

Für Techcrunch-Chefredakteur Arrington kommt es nun vor allem darauf an, durch die Übernahme nicht den Ruf als zuverlässige Quelle von Insiderberichten zu gefährden. Arrington versprach seinen Lesern, dass er alles daran setzen wird, die Unabhängigkeit von Techcrunch zu bewahren. Man will sich keine Vorschriften machen lassen, worüber man berichten darf und worüber nicht. Auch Kritik an AOL soll weiterhin möglich sein – und möglicherweise nötig. Kurt Sagatz

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