Medien : Umstieg per Umfrage

Bundespräsidentin Christiansen, Bundeskanzler Jauch

Joachim Huber

Die „Mediokratie“ macht’s möglich: Wenn der Schauspieler Arnold Schwarzenegger der nächste Gouverneur des US-Bundestaates Kalifornien werden kann, dann kann die Talkshow-Moderatorin Sabine Christiansen auch Johannes Rau als Bundespräsidentin ablösen. Nach einer aktuellen Umfrage kam die ARD-Talkerin mit 27 Prozent immerhin auf den vierten Platz. Sehr viele Bundesbürger trauen Sabine Christiansen nicht nur die Moderation einer sonntäglichen Politiker-Runde, sondern auch die Moderation und die Repräsentation der Bundesrepublik zu. Ihre Talkshow hat ja längst die Funktion des Parlamentsersatzes, vom Verfassungsrang ist sie sehr weit nicht mehr entfernt. Und als Unicef-Botschafterin macht Sabine Christiansen eine gute Figur.

Vom großen Fernsehjournalisten Hanns Joachim Friedrichts stammt die These, dass derjenige, der oft auf dem Bildschirm zu sehen ist, bei den Zuschauern zwangsläufig beliebt ist. Wer zudem nicht allzu intellektuell oder zu schrill ist, der kann sein Fernsehamt gegen politische Ämter eintauschen.

Günther Jauch sollte Bundeskanzler werden. Laut einer Umfrage unter Schülern wäre er der ideale Nachfolger von Gerhard Schröder. Jauch rettet den Regenwald viel effektiver als der amtierende Kanzler die Republik, als Quizmaster der RTL-Sendung „Wer wird Millionär?“ weiß Jauch die Antwort auf jede noch so knifflige Frage.

Wen das überrascht, der muss sich nur jene Umfrage vor Augen führen, wonach Showtitan Thomas Gottschalk für junge Deutsche bedeutender ist als Goethe. Womit klar ist: Wahlchancen hat, wer bekannt ist. Und wenn sich Politiker wie Fernsehstars geben, dann wird der Fernsehstar dem Politiker zum Verwechseln ähnlich.

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