Umstrittene Doku-Serie : Gericht genehmigt RTL "Erwachsen auf Probe"

Noch in letzter Minute hatte das deutsche Familiennetzwerk die umstrittenene RTL-Reality-Sendung "Erwachsen auf Probe" per Gerichtsverfahren verhindern wollen. Der Vorwurf: Die Serie verstoße gegen die Menschenwürde. Warum die Richter jetzt trotzdem die Ausstrahlung erlauben.

RTL darf an diesem Mittwochabend seine umstrittene Sendung „Erwachsen auf Probe“ zeigen, in der Babys und Kinder von Jugendlichen versorgt werden. Das Kölner Verwaltungsgericht lehnte eine Verbotsklage am Mittwoch ab. Das deutsche Familiennetzwerk, ein bundesweiter Verbund aus knapp 100 Organisationen, hatte gefordert, das Kölner Jugendamt müsse die Sendung verbieten, insbesondere, weil sie gegen die Menschenwürde verstoße. Dagegen befanden die Richter, dazu könne das Jugendamt nicht verpflichtet werden. (Az. 6 L 798/09).

In der Begründung des Gerichts hieß es, das städtische Jugendamt sei unter keinem Gesichtspunkt dazu berufen, in eigener Zuständigkeit die Ausstrahlung der RTL-Serie zu untersagen. Die Zuständigkeiten der Medienaufsicht seien abschließend im Jugendmedienschutz-Staatsvertrag geregelt. Behördlich zuständig für die Beachtung von Belangen des Jugendschutzes und der Menschenwürde im privaten Rundfunk seien demnach allein die Landesmedienanstalten.

Die Richter urteilten weiter, unabhängig von Zuständigkeitsfragen sei aus dem Antrag auch nicht ersichtlich, „in welchen eigenen Rechten“ die Antragsteller durch die Ausstrahlung der Sendung überhaupt betroffen seien und woraus „sich ein subjektives Recht auf Einschreiten ergeben könnte“. Die von ihnen angeführten Grundrechte, insbesondere das Grundrecht auf Menschenwürde, seien Abwehrrechte gegenüber dem Staat und begründeten keine Handlungsansprüche gegenüber dem Staat auf ein Einschreiten gegen private Dritte. Gegen den Beschluss des Kölner Gerichts ist Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Münster möglich.
Eine RTL-Sprecherin sagte in Köln, sie begrüße die Entscheidung. „Erwachsen auf Probe“ sei ein Eignungstest für Jugendliche mit Kinderwunsch. Es gehe darum, Familienkompetenz zu erlernen und Verantwortung für Kinder, den Partner und sich selbst zu übernehmen.

Zahlreiche Verbände und Politiker haben die Sendung dagegen scharf kritisiert. So wandten sich Ende vergangener Woche 60 Organisationen und Verbände – unter ihnen Pro Familia, die SOS-Kinderdörfer, der Deutsche Lehrerverband, der Deutsche Kinderschutzbund und der Deutsche Hausfrauenbund - gegen RTL. Auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) kritisierte den Privatsender aus Köln und sprach sich für einen Stopp der Reihe aus. „Man fragt sich die ganze Zeit: Was ist mit den Kindern? Wo bleiben deren Rechte?“, sagte sie dem „Spiegel“. dpa/jbh

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