Umstrittenes App-Zentrum : Verbraucherverband mahnt Facebook ab

Das soziale Netzwerk Facebook rückt erneut in den Fokus der Verbraucherschützer. Im neuen App-Zentrum sollen Nutzerdaten ohne Einwilligung der Nutzer weitergegeben worden sein. Facebook soll jetzt eine Unterlassungserklärung abgeben.

Abgemahnt: Facebook rückt erneut wegen möglicher Datenschutzverletzungen in die Kritik.
Abgemahnt: Facebook rückt erneut wegen möglicher Datenschutzverletzungen in die Kritik.Foto: dapd

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat das soziale Netzwerk Facebook wegen laxer Datenschutzbestimmungen abgemahnt. Mit dem im Juli eingeführten App-Zentrum, das die Apps von Fremdanbietern nach Kategorien sortiert anzeigt, verschlechtere Facebook den Datenschutz, erklärte der vzbv am Montag: Das Unternehmen gebe persönliche Daten der Nutzer an die Anbieter der Apps weiter, ohne dass die Nutzer ihre Einwilligung dazu gegeben hätten. Das soziale Netzwerk habe nun bis 4. September Zeit, eine Unterlassungserklärung abzugeben, teilte der vzbv mit.

Bei Facebook können die Nutzer kleine Programme (Apps) herunterladen, etwa Spiele, Umfragen oder Quiz, die von Drittanbietern zur Verfügung gestellt werden. Die Nutzer erhalten seit Einführung des App-Zentrums aber weder einen vollständigen Hinweis, wozu die weitergegebenen Daten verwendet werden, noch wird sichergestellt, dass der Nutzer in die Weitergabe und Nutzung der Daten einwilligt, wie der vzbv kritisierte. Durch den Klick auf den Button „Spiel spielen“ oder „An Handy schicken“ werde die Einwilligung einfach unterstellt.

Lediglich unterhalb des Buttons befindet sich in kleiner hellgrauer Schrift eine laut vzbv augenscheinlich nicht abschließende Auflistung der Nutzungszwecke durch den App-Anbieter. Die Drittanbieter räumen sich etwa das Recht ein, auf den Chat, die Informationen der Freunde und die persönlichen Kontaktdaten zuzugreifen. Eine solch umfassende Datenweitergabe an Dritte und deren Verwendung sei nach deutschem Recht ohne bewusste Einwilligung des Nutzers nicht erlaubt. Der vzbv wirft Facebook Verstoß gegen das Telemediengesetz vor.

Die Verbraucherschützer fordern vom sozialen Netzwerk, das App-Zentrum so zu gestalten, dass der Nutzer weiß, dass er seine Daten freigibt und wofür sie verwendet werden. Den Nutzern riet der vzbv, über ihre Privatsphären-Einstellungen die Voreinstellungen zu ändern oder Anwendungen und Apps zu deaktivieren, wenn sie sich und ihre Kontakte vor der unerwünschten Datenweitergabe schützen wollen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) fordert derweil im Streit über besseren Datenschutz im sozialen Netzwerk Facebook eine bundesweite Lösung. „Wir brauchen eine einheitliche Strategie, wir wollen keine Insellösung“, sagte Albig am Montag in Kiel. Dafür müssten sich sowohl die Facebook-Betreiber als auch Datenschützer den Argumenten der gegnerischen Seite öffnen.

Die Forderung des schleswig-holsteinischen Datenschützers Thilo Weichert an die Landesregierung, wegen Datenschutzbedenken ihre sogenannte Fanpage auf Facebook zu entfernen, wies Albig zurück. Der Internetauftritt sei wichtig, um mit Bürgern in Kontakt zu treten. Stattdessen müssten die Internetnutzer verstärkt im kritischen und verantwortungsvollen Umgang mit dem Medium geschult werden. (AFP/dapd)

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