Umzug und Aufbruch : Berlin ist unsere Mitte

Gedruckt und digital – beides bleibt fundiert. Der Tagesspiegel hat schließlich Tradition. Auch im Aufbruch.

Stephan-Andreas Casdorff,Lorenz Maroldt
"Tagesspiegel" zieht um - "Aufbruch in die Moderne"
Eingezogen: Tagesspiegel-Chefredakteure Stephan-Andreas Casdorff (links) und Lorenz Maroldt.Foto: dpa

Neues Haus, neues Glück. Salz und Brot, das harte Brot des Journalismus, des guten. Das ist es, was wir uns wünschen, uns allen. Denn nach mehr als einem halben Jahrhundert stolzer Arbeit in der Potsdamer Straße sind wir nun hier, am Askanischen Platz, nahe dem Preußischen Landtag, Berlins Abgeordnetenhaus. Und Berlin, ja, das ist unsere Mitte. Aus der heraus wir uns immer stärker entfalten wollen.

Ein Umzug ist auch immer ein Aufbruch in bestem Sinne. Unserer passt in die Zeit. Denn Zeitungen von heute befinden sich nicht in einem festen Aggregatzustand. Das „World Wide Web“ und die Zeitung werden eins, ergänzen sich, verändern einander.

Nehmen wir nur die gouvernementale Haltung früherer Jahre, zu Beginn der demokratischen (West-)Republik, den Institutionen-Journalismus in seiner klassischen Form – beides ist überholt. Wie man dem Tagesspiegel ansieht, in seiner sachlich-gründlich-kritischen Tradition: Die Art Stillhalte-Abkommen mit höflichen Zitaten als verstecktem Angriff hat noch ihren Platz, muss ihn aber zunehmend verteidigen. Die „Anfasskultur“ kommt voran.

Dabei geht es allerdings für uns darum, über die Flexibilität in der Form und in den Gedanken nicht die Fasson als Zeitung zu verlieren, nicht konturlos zu wirken. Hierzu dienen zeitkritisch genau überlegte Fotos, sowohl in ihrer Form, als auch in Bezug auf den Platz, den sie in der Zeitung und im Netz einnehmen; und die Fähigkeit, sich und den Leser für Kontroversen inhaltlich zu rüsten, sei es über Heidegger, Walser oder den Vorruhestand.

Ja, die Ästhetik nicht zu vergessen! Sich in Sprache und Bild zuweilen auch heiter und ironisch dem Zeitgeist auszusetzen, ist nicht skrupelloses Anschmiegen, ist auch nicht bloßes Hinterherlaufen hinter jeweiligen Bedürfnissen, ist nicht ernst vorgetragene Inhaltslosigkeit – sondern Notwendigkeit. Sie ist ausgerichtet an einem durch Markterforschung längst nicht mehr nur imaginären Gesamtinteresse.

Denn Deutschlands ganz eigene Modernität besteht offenkundig darin, dass jedermann dauernd dazu aufgefordert ist, eine eigene Meinung zu haben. Und zu äußern. Damit er oder sie am Vernunftfortschritt mitwirken kann, wenigstens aber an seiner Simulation.

Sagen Gelehrte. Daraus ziehen wir täglich unsere Lehren.

Es ist nämlich schon so: Kein Schritt aus dem Haus, dem nicht auch die Frage nach dem Sinn und Erfolg dieses Tages auf dem Fuße folgt. Keine Information ohne den Zwang, daraus ein Urteil zu gewinnen, möglichst eines, das weiter reicht, das irgendeine Verbindlichkeit gegenüber der Gesellschaft anzeigt. So ist dann unser Land mit einem hohen Informationsstand und unser Berufsstand mit einem in seiner Fülle jetzt schon außergewöhnlich hohen Meinungs- und Moralaufwand für die Leserschaft befasst.

Nun besteht allerdings die Bildung öffentlicher Meinung oft darin, dass Bürger dieses besten Staates, der je von Berlin ausging, Ohnmachtsbekundungen austauschen, ohne dass dies Konsequenzen hätte. Das dürfen wir nicht zulassen. Verstehen, was passiert, wie der Tagesspiegel immer sagt, ist Voraussetzung dafür, im guten Sinne handeln zu können.

Und so ist es die große, entscheidende eine Frage, wo die Grenzen gezogen werden, die erfolgreiche von weniger erfolgreichen Zeitungen trennt. Wir sind erfolgreich: weil wir Autorität und Ratgeber genauso sind wie Schule des Skeptizimus, Geschichtenerzähler zumal.

Wir können die täglichen Ereignisse in unserem Land und in der Welt nicht einfach in unserer Logik transportieren, sie aber mit Logik für den Leser ordnen. Das erfordert eine Intellektualisierung der Blattsteuerung. Und eine, logisch, kluge Auffächerung des Angebots.

Die weite Welt des Web gehört integral dazu. Denke global, handle lokal: www.tagesspiegel.de ist für beides eine der besten Adressen. Die digitale Ausgabe ist so beeindruckend wie die gedruckte; auch weil sie aufeinander bezogen sind. Schnell sind sie beide, je auf ihre Weise. Und fundiert ist beides, garantiert.

Das ist also unsere Arbeit, jeden Tag. Dazu passen Salz und das harte Brot. Wir nehmen es gerne und teilen alles mit Ihnen, unseren Lesern. Der Umzug ist ein Aufbruch. Kommen Sie mit uns! Wir brauchen Sie auf unserem Weg.

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