Unbemannte Fluggeräte : Alles droht

Drohnen sind nicht nur Kampfmaschinen. Immer mehr Menschen loten die zivile Nutzung der fliegenden Roboter im deutschen Luftraum aus. Kommt nun die totale Dauerüberwachung?

Angela Gruber
Zivile Drohnen gibt es für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Diese hier soll künstliche DNA auf Kabel der Telekom aufbringen um Kupferdiebstähle zu verhindern.
Zivile Drohnen gibt es für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Diese hier soll künstliche DNA auf Kabel der Telekom aufbringen...Foto: Britta Pedersen/dpa

Eigentlich ist Manuel Frauendorf Fotograf. Aber irgendwie ist er auch Pilot. Denn Frauendorf nimmt nicht mehr nur seine Kamera mit, wenn er für einen Auftrag unterwegs ist. Er packt auch eine Fernsteuerung ein. Damit steuert er seine Drohnen. Mit den unbemannten Fliegern macht Frauendorf spektakuläre Bilder und Videos von oben. Ohne teuren Kran, ohne komplizierte Mastkonstruktion. „Mit der Drohne kann ich die perfekte Perspektive finden, wenn ich Gebäude oder Landschaften aufnehme, das ist schon ein großer Vorteil“, sagt Frauendorf.

Wenn der Fotograf aus dem Berliner Umland sein Arbeitsgerät steigen lässt, dann hört sich das ein bisschen so an, als würde ein Elektro-Rasenmäher anspringen. Es surrt, bis die Rotoren sich so schnell drehen, dass der Flieger abhebt. Kurz schaukelt er über dem Boden, dann steigt er langsam höher. Das Surren verschwindet in der Luft.

Auch außerhalb der Fotografie entdecken Menschen die Vorteile der Technik und lassen sich vom Kriegsimage der fliegenden Roboter nicht mehr schrecken: Drohnen werden in der Landwirtschaft eingesetzt, in der Deichüberwachung und in der Vermessungsarbeit. Sie können einen Erste-Hilfe-Kasten zu einem Schwerverletzen in einer Bergspalte bringen, in einem brennenden Haus nach Verletzten suchen – oder im Fall von Fotograf Frauendorf eine Spiegelreflexkamera tragen. Seit die kleinen Flieger immer billiger werden, kaufen auch Hobbypiloten die Flugroboter. Einsteigersets gibt es für ein paar hundert Euro in jedem Elektronikmarkt oder im Netz.

So nützlich und faszinierend die Technik ist: Die unbemannten Roboter im deutschen Luftraum schaffen neue Probleme. Denn nie war es so leicht, Menschen aus der Luft zu filmen, zu überwachen. In vielen Fällen sind die kleinen und wendigen Flieger serienmäßig mit einer Kamera ausgestattet. Für Datenschützer sind die Drohnen daher Augen am Himmel, die alles sehen, aber schwer kontrolliert werden können.

„Man kann heute ohne Probleme einen per Kameradrohne gefilmten Livestream aus dem Wohnzimmer oder Schlafzimmer seines Nachbarn online stellen, wenn man das unbedingt möchte“, sagt Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Bei der rasanten Marktentwicklung sieht Notz die Gefahr, dass die möglichen Folgen des Drohneneinsatzes aus dem Blickwinkel geraten. „Die Drohnen sind doch nur eine weitere Technologie, bei der sich die Menschen nach den Snowden-Veröffentlichungen fragen, wo sie sich noch unbeobachtet fühlen können.“

In den nächsten zehn Jahren soll sich der Umsatz mit Drohnen verdoppeln

Wie viele der kleinen Flieger in Deutschland schon regelmäßig aufsteigen, weiß niemand. Sicher ist: Die Drohnentechnologie wird weltweit immer stärker nachgefragt. 11,6 Milliarden Dollar soll der globale Umsatz betragen, der im Jahr 2025 mit Drohnen gemacht werden wird, prognostiziert eine amerikanische Beratungsfirma. Damit würde sich der Umsatz nahezu verdoppeln. Wachstumstreiber: der Verkauf ziviler Drohnen, wie sie auch in Deutschland eingesetzt werden.

Für deutsche Piloten gelten eigentlich strenge Regeln, auch was das Filmen anbelangt. Eine Wild-West-Zone ist der deutsche Luftraum also keineswegs. Das Problem: Manche Drohnenbesitzer kümmert die Rechtslage wenig. „Sobald sie sich im Luftraum bewegen, müssen sie auch dem Luftrecht folgen. Bloß wissen das viele Piloten gar nicht“, sagte Bernhard Freiherr von Bothmer. Er ist der Vorsitzende des UAV DACH, eines Verbands für unbemannte Luftfahrzeuge für das deutschsprachige Gebiet.

Die Angst vor dem Überwachungspotenzial der Technik schlägt auch Bothmer immer wieder entgegen. Wenn fliegende Kameras Menschen heranzoomen und ohne deren Einverständnis aufnehmen, ist das auch aus heutiger Sicht illegal, so Bothmer. Das Recht am eigenen Bild gilt auch in der Luft. Er ist nur schwerer durchzusetzen als auf dem Boden. Der netzpolitische Sprecher der Grünen, Notz, will trotzdem nachbessern. „Man wird versuchen, die von Drohnen gemachten Bildaufnahmen irgendwie nach dem geltenden Recht zu beurteilen. Das wird dem Problem allerdings kaum gerecht“, sagte Notz. Er warnt: „Drohnen eröffnen Einblicke in bislang nicht bedrohte Rückzugsräume von Bürgern.“

Leicht gemacht wird es den Piloten aber auch nicht, die Rechtslage zu durchblicken. Jedes Bundesland hat eigene Regeln für den Drohnenflug, es gibt 16 Landesluftfahrtbehörden. Grob gesagt gelten für jeden Flug Regeln – auch für Hobbyflieger auf der Gemeindewiese. Für Drohnen unter fünf Kilogramm gelten weniger strenge Auflagen als für schwere Drohnen zwischen fünf und 25 Kilo Gewicht. Für sie muss eine Einzelaufstiegsgenehmigung beantragt werden. Geregelt ist außerdem, dass die Flugroboter in Sichtweite geflogen werden müssen und zum Beispiel nicht in der Nähe von Flughäfen steigen dürfen. In Berlin mit seinen vielen Regierungsgebäuden gelten besonders weit gefasste Flugverbotszonen.

Verbandschef Bothmer will daher einen Beipackzettel, der Käufer aufklärt, was sie dürfen und was nicht. Eine bundesweite Luftverkehrsverordnung soll eine Flugausbildung für Piloten vorschreiben und eine Art Nummernschild für die Drohnen, so Bothmer. Beides ist aktuell noch nicht Pflicht. Eine paradoxe Situation. Denn immer wieder stürzen Drohnen ab, verursachen Unfälle. Das Potenzial der Technik dürfe aber dennoch nicht verkannt werden, fordert der Berliner Luftrecht-Professor Elmar Giemulla. „Es wäre ein großer Schaden angerichtet, wenn sich die Probleme bei Datenschutz und Sicherheit nur durch ein radikales Verbot der Technik in den Griff kriegen lassen.“

Fotograf Frauendorf aus dem Berliner Umland ist ein erfahrener Pilot. Er besitzt mittlerweile fünf der Flugroboter und hat sich über die Jahre mit der Technik vertraut gemacht. Und mit dem Papierkram für jeden Auftrag. „Ich halte mich penibel an alle Regeln, sonst ist meine Geschäftsgrundlage weg.“ Passanten reagierten meistens interessiert, nicht ablehnend. „Wenn so ein Ding in der Luft ist, zieht das schon die Aufmerksamkeit auf sich und die Leute wollen wissen, wie das funktioniert.“

Viele Nutzer sprechen lieber von Coptern als von Drohnen

Aber auch Frauendorf kennt die spontane Abwehrhaltung, wenn das Wort Drohne fällt. Wie andere zivile Nutzer spricht er daher lieber von „Coptern“, nicht Drohnen. So will Frauendorf sich vor allem von Militärdrohnen abgrenzen, die allein schon technisch völlig anders aufgebaut sind. Frauendorfs Copter haben Rotoren, die den Flieger in die Luft heben. Bei vier Rotoren spricht man von einem Quadcopter, bei acht von einem Octocopter. Je mehr Rotoren, desto stabiler der Flug. Seine Energie zieht der fliegende Roboter aus einem austauschbaren Akku.

Wird der Himmel über uns bald voller Drohnen sein? Die Technik ist so vielseitig einsetzbar, dass eine weitere Verbreitung zumindest schwer aufzuhalten sein wird. Das immer noch prominenteste Beispiel, der Einsatz für militärische Zwecke, ist nur eine Facette der Einsatzmöglichkeiten. Das wird in Zukunft immer deutlicher werden.

Was viele bei der Warnung vor der fliegenden Kamera über unseren Köpfen vergessen: Wir werden längst schon fast überall gefilmt. Kameras überwachen uns in Supermärkten, in der U-Bahn, auf öffentlichen Plätzen, an der Tankstelle. Nur wenige nehmen daran Anstoß. Und im Gegensatz zu den Drohnen haben die kleinen Videokameras an Pfeilern und Decken nun wirklich keine anderen sinnvollen Einsatzmöglichkeiten. Doch im Gegensatz zu den fliegenden Augen haben sich die Deutschen an diese Form der Überwachung offenbar gewöhnt.

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