Medien : Und täglich grüßt die Mondlandung

Was das Fernsehmuseum zeigt

Barbara Nolte

Der kargste Raum ist der interessanteste: Sechs Monitore, sechs Sofas, sechs Tastaturen. Nebenan eine Festplatte, auf der Andres Veiels grandioser Dokumentarfilm „Black Box BRD“ gespeichert ist, aber auch die „Schwarzwaldklinik“ und natürlich die bei Rückblicken unvermeidliche „Raumpatrouille Orion“. Insgesamt mehrere hundert in Qualität oder Erfolg herausragende Produktionen. Es ist der Anfang eines öffentlichen Fernseharchivs, das in Deutschland überfällig ist. Der kleinste Zeitungsartikel lässt sich mittlerweile in fast jeder Bibliothek finden, doch selbst großes Fernsehen versendet sich. Von nun an sollen zumindest die preisgekrönten Fernseharbeiten jedes Jahres in der Datenbank des Museums landen.

Programmgalerie heißt diese Abteilung des Museums, Archiv kann man sie nicht nennen, dafür ist ihr Bestand viel zu klein. Noch funktioniert sie eher wie eine Musikbox: Jeder kann sich seine alte Lieblingssendung noch einmal ansehen. An der Programmgalerie zeigt sich auch das Grundverständnis der ständigen Ausstellung. Sie ist mehr nostalgisch als analytisch ausgerichtet.

Immerhin verzichtet das Museum auf die üblichen Devotionalien. Kein Anzug von Gottschalk weit und breit, keine „Sportstudio“-Torwand. Das Ausstellungsdesign ist reduziert und geschmackvoll. Im ersten Raum hängen Zeittafeln mit den wichtigsten Stationen des Mediums. Zur Illustrierung laufen natürlich Fernsehbilder: Die Krönung der Queen, die Mondlandung, der Zusammenbruch des World Trade Centers. Die magischen Momente unserer medial vermittelten Welt. Nur: Man hat sie schon unzählige Male gesehen. In Retroshows, zu Jubiläen greift das Fernsehen in seine Archive und zeigt seine Sternstunden. Es ist längst sein eigenes Museum geworden.

Umgekehrt will sich das Fernsehmuseum in der Unterhaltsamkeit mit seinem Gegenstand messen. Sein Herzstück ist eine Multivision, in der ein halbes Jahrhundert Programmgeschichte im MTV- Stil zusammengefasst wird: zehn Sekunden Sandmännchen – Schnitt – Peter Frankenfeld – Überblendung – Biolek. Alle zentralen Figuren des Fernsehens haben Kurzauftritte. Sie haben sich längst aus dem Flimmerkasten befreit, prangen auf Plakatwänden und Zeitschriften, sie sind allgegenwärtig: die Ikonen der Massenkultur. Nur Museen waren bislang wohltuend frei von ihnen. Jetzt haben sie sich auch diesen Raum erobert.

Bunt und kurzweilig, ist das Fernsehmuseum eine ideale Pause für müde Berlin- Touristen. Dass es das Fernsehen auch ergründen kann und will, muss es in seinen Symposien und Sonderschauen noch zeigen.

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