Und tschüss : Jörg Pilawa ersetzt Johannes B. Kerner

03.09.2009 15:44 UhrVon Joachim Huber

Die Hängepartie ist entschieden. Jörg Pilawa wechselt von der ARD zum ZDF. Er habe seinem Haussender, dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) mitgeteilt, dass er seinen Vertrag über den 30. April 2010 hinaus nicht verlängern werde, heißt es in der ARD.

Das ZDF hat den 43-jährigen Moderator umworben, seitdem feststand, dass Johannes B. Kerner zu Sat 1 wechseln werde. Kerner steht im Zweiten für wöchentlich drei Talkshows, Sport-Moderation und große Abendshows wie "Unsere Besten" und Deutschland-Tests. In diese Lücke stößt Jörg Pilawa, der selbst 2001 von Sat 1 zur ARD gewechselt war. Das Angebot an Unterhaltungsgrößen, die für fünf Millionen Zuschauer und mehr stehen, ist in Fernseh-Deutschland klein. Das macht die wenigen teuer und bringt ihnen lukrative Verträge. Da geht es nicht anders zu als im Spitzenfußball.

Jörg Pilawa moderiert derzeit im ARD-Vorabend "Das Quiz mit Jörg Pilawa", verschiedene Sonderausgaben des Quiz' sowie diverse Shows wie "Pisa - der Ländertest", "Pilawas große Weltreise" oder, wie jetzt wieder am kommenden Samstag, die Familienshow "Frag doch mal die Maus".

Sport-Unterhaltung war mit dem "Star Biathlon" auch dabei.

Johannes B. Kerner hatte beim ZDF eigentlich alles, was sich ein Mitarbeiter wünschen kann - Geld, Erfolg, Primetime-Auftritte. Dennoch hatte sich in die Zweierbeziehung eine gewisse Entfremdung eingeschlichen. Als Kerner das Angebot des Privatsenders vorgelegt bekam, hat er nicht sehr lange gezögert. Kerner moderiert für Sat 1 europäischen Spitzen-Fußball und er wird wunschgemäß wieder stärker als Journalist arbeiten können. Sein Gegenstück zu "Günther Jauchs "stern-TV" heißt "Kerner live" und startet Anfang November dieses Jahres.

Sollte Pilawa bei seinem neuen Arbeitgeber ZDF die Talkschiene von Kerner befahren, wird er eine alte Profession wieder aufnehmen, als er die "NDR Talk Show" moderierte. Auch die weiteren Aufgaben beim Mainzer Sender werden Pilawa nicht überraschen. Das ZDF will dessen Erfolg in der ARD quasi eins zu eins ins Zweite rüberholen. Dass Pilawa erst 43 Jahre alt ist, wird dem Sender mit dem Seniorenpublikum alles andere als unangenehm sein. Die Qualitäten des Moderators Pilawa sind nicht schwer zu fassen. Er sieht gut aus, der Mitinhaber eines Herrenausstatters kann sich stilsicher kleiden, er lächelt lausbübisch, seine Gäste werden niemals vorgeführt - der supernette Jörg P. bietet perfektes Wohlfühl-Fernsehen.

Das hat ihm bei der ARD mehr und mehr Arbeit und Anerkennung eingebracht. Das Erste muss sich schon sehr sicher sein, einen "Publikumskönner" wie Jörg Pilawa ersetzen zu können. Gerade erst ist Oli Pocher zu den Privaten abgehauen. So viele Mitarbeiter die ARD auch beschäftigt, einer wie Pilawa ist nicht zu erkennen. Bis Pilawa ausscheidet, müssen Nachwuchs- und Aufbauarbeit erkennbar intensiviert werden.

Ins Fernsehen ist Jörg Pilawa eher reingescheitert. Ein Medizinstudium brach er nach nicht bestandenem Physikum ab, danach ging er für ein Jahr nach Israel. Das Geschichtsstudium gab er gleichfalls auf, vielleicht, weil erste Moderationen für Radio Schleswig-Holstein erfolgreich waren. 1994 präsentierte er für ProSieben die Show "2 gegen 2". Mit dem Wechsel zu Sat 1 und 2001 zur ARD fand Pilawa seine Programmkoordinaten: Talk und Quiz. Schnell hatte Pilawa eine weitere, lukrative Doppelrolle für sich entdeckt, indem der Produzent Pilawa die Sendungen für Moderator Pilawa selbst herstellte. Seine Firma White Balance hat er 2005 gewinnbringend verkauft, ist weiterhin als Geschäftsführer tätig. Pilawas nächstes Ziel hieß weniger Telepräsenz bei gleichzeitiger Auslastung des Produzenten. Das ZDF wartete schon.

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