Medien : Ungeliebte Prophetenrolle

Unterwegs mit Frank Schätzing: Porträt des Bestsellerautors in der Arte-Reihe „Mein Leben“

Thomas Gehringer

Nachdem Frank Schätzings Öko-Thriller „Der Schwarm“ veröffentlicht war, schien es so, als würde das Buch von der Wirklichkeit eingeholt: Der Tsunami in Südasien katapultierte Schätzing in die Rolle eines Experten für künftige Öko-Desaster, auch wenn die reale Ursache gar nichts mit dem Szenario des Buches zu tun hatte. „Ich bin nicht der Prophet“, beteuert Schätzing nun in Andrea Klütings Porträt aus der Arte-Reihe „Mein Leben“ und bekennt zudem „ein mulmiges Gefühl“, weil sich sein Buch aufgrund der Katastrophe länger auf der Bestsellerliste gehalten habe. Die ökologische Dimension sei eigentlich nur hinzugekommen, weil die Story es verlangt habe, sagt Schätzing. Vielmehr sei ihm „die Selbstbesoffenheit der Menschheit“ auf die Nerven gegangen. Er habe den Schock für die Menschheit, dass sie nicht die Krone der Schöpfung sei, literarisch verarbeiten wollen.

Der ehemalige Werbetexter aus Köln ist eine facettenreiche Figur. Mal gibt er sich bescheiden und bodenständig, nennt seinen Bucherfolg „unwirklich“ und genießt die rauchgeschwängerte Enge eines Kölner Brauhauses. Mal redet er reichlich verschwurbelt daher, beschreibt seinen detailversessenen Wissenshunger als „Vorstoß in die Nano-Ebene, auch in die Nano-Ebene der Werte und Gedanken“. Er genießt es, auf der Bühne zu stehen, liebt exzellentes und teures Essen, fährt einen Porsche Cabrio und betont, eigentlich keinen Luxus zu brauchen. Für die geplante Verfilmung des „Schwarms“ werde man wohl 150 Millionen Dollar „verbraten“, überschlägt er lässig. Weitere Informationen über die cineastische Aufarbeitung gibt es nicht. Jedenfalls klingt es überzeugend, wenn Schätzing sagt, er habe Spaß daran, sich immer wieder neu zu erfinden.

Es gehört zum Konzept dieser Doku-Reihe bei Arte, dass man die Porträtierten überwiegend allein reden lässt. Das ist im Falle Schätzings nicht immer pures Vergnügen, aber doch aufschlussreich. Andrea Klüting hat eine Art Roadmovie gedreht, mit der Botschaft: Der viel beschäftigte Schriftsteller ist ständig unterwegs. Also sieht man Schätzing im Zug, im Taxi, im Auto und bei einer Bootsfahrt auf dem Rhein. Letzteres hatte zwar nichts mit Schätzings Arbeit zu tun, wurde aber wohl – ebenso wie der Besuch im Aquarium – wegen des Elements Wasser für unvermeidbar gehalten. Außerdem flaniert Schätzing durch seine Heimatstadt Köln, wo auch seine ersten Bücher spielten. Etwas mehr vom alltäglichen Schätzing, der zum Beispiel an einem Hörbuch arbeitet, Musik komponiert und auch selbst zur Gitarre greift, wäre dagegen ganz schön gewesen.

„Mein Leben – Frank Schätzing“, Arte, 17 Uhr 30

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