Medien : „Unhöflichsein gehört dazu“

Bei n-tv ist fast nichts mehr, wie es war. Nur Leo Busch moderiert im zehnten Jahr

Carla Woter

An Leo Busch fallen einem zwei Dinge sofort auf. Ihr Name und ihre Locken. „Leo Busch“, das hat was von einem brüllenden Löwen. Aber so ist sie gar nicht. Die zierliche Frau ist eher leise als laut, aber dafür sehr bestimmt. Außerdem sind die Haare deutlich kürzer geworden. „Aber das bedeutet nichts, mir geht es gut“, sagt Leo Busch. Eigentlich heißt sie Leonore, doch das gefiel niemandem, komischerweise nicht mal ihren Eltern. Die 36-jährige Moderatorin gehört zum Elitepersonal des schrumpfenden Senders n-tv. Sie moderiert einmal wöchentlich aus dem Hauptstadtstudio zusammen mit Heiner Bremer die Polittalkshow „2+4“.

Ihre Aufgabenteilung beschreibt sie so: „Er möchte den großen Diskurs, ich die klare Antwort.“ Bremer lehnt sich gern ein wenig in Elder-Statesman-Manier zurück, holt in seinen Beiträgen großzügig aus und verbreitet Plauder-Atmosphäre. Busch sitzt eng am Tisch, fragt knapp und präzise. Sie hat keine Zeit zu verlieren, unterbricht, wenn es zu lang dauert. „Unhöflichsein gehört leider dazu.“ Und Ungeduldigsein auch. Trotzdem nimmt sich die Moderatorin zurück. Für Eloquenz sind schließlich die Gäste da. Hier und da ein kleiner kühler Stich: „Wir kriegen Sie schon in Wallung, Herr Oetker.“ So sieht sie ihren Job. Aber wenn sie dann spricht, klingt jeder Satz wohl überlegt, kontrolliert wie in einer Deutschstunde. Sie schludert nicht mit der Sprache. Leo Busch in einer Sendung über Angela Merkel: „Ist es denn nicht jene Lockerheit, an der es ihr im medialen Umgang mangelt, über die sie doch privat zu verfügen scheint?“ Wer spricht heute noch so? Leo Busch eben.

Bei einem so souveränen Umgang mit der Sprache verwundert es, dass sie trotz allem noch immer feuchte Hände vor jeder Sendung hat. Das ist aber auch ihre einzige Schwäche. Busch kann sich auf sich verlassen: „Irgendetwas kriege ich immer zustande. Das beruhigt“, sagt die Journalistin. Sie beweist es, indem sie die Verspätung der ehemaligen Bundspräsidentenkandidatin Gesine Schwan in der Live-Sendung charmant mit einem „Heute sind wir nur 2+3“ überspielt.

Wie gut sie die Situation wirklich gemeistert hat, wird ihr irgendwann der Produzent der Talkshow sagen, Friedrich Küppersbusch. „Küppersbusch ist mein strengster Kritiker. Wir schauen uns die Sendung gemeinsam an. Wenn er das Band stoppt und mich fragend anschaut, weiß ich schon, was das bedeutet.“ Aber auch ihm wird aufgefallen sein: Wenn Unvorhergesehenes passiert, wirkt Busch umso souveräner.

Ihr Geschick für Improvisation hat Leo Busch auch zu ihrem Job verholfen. „Ich wusste nach dem Abitur überhaupt nicht, was ich wollte. Klar war, irgendwas studieren, Medizin, BWL oder Jura.“ Sie entscheidet sich für Jura, lässt es relativ schnell wieder sein und landet schließlich in München auf der Deutschen Journalistenschule. Dann beginnt eine konsequente Karriere. Nächstes Jahr wird sie zehn Jahre bei n-tv sein, fünf davon hat sie die tägliche Sendung „Das Thema“ moderiert. Und auch wenn ihr Heimsender in den letzten Monaten sein Personal fast halbiert hat, fürchtet Busch nicht um ihre Stelle. „Ich hatte immer Glück.“ Ohnehin ist sie für n-tv kaum verzichtbar. Sie prägt gemeinsam mit Sandra Maischberger das Gesicht des Senders.

Nach dem jahrelangen Stress einer täglichen Sendung arbeitet Busch inzwischen nur noch zwei Tage in der Woche in der Redaktion, ansonsten von zu Hause aus. Sie steht um sieben auf und liest drei bis vier Stunden Zeitungen. Dann geht sie mit ihren beiden Hunden raus, auch wenn man sich die Frau im schicken grauen Hosenanzug nur schwer beim Herumtoben im Wald vorstellen kann. Aber dieser Eindruck täuscht. Leo Busch liebt das Abenteuer. Im Sommer zum Beispiel war sie allein in Skandinavien zelten. Dieser Entdeckerdrang treibt sie auch in Berlin an. Demnächst zieht Busch wieder einmal um, das siebte Mal in acht Jahren. „Besitz belastet“, sagt sie. „Ich kann gut wegschmeißen, und ich ziehe gerne um.“ Nur ihr Husky und ihr Schäferhund werden sie auch diesmal wieder begleiten.

Busch wirkt gelassen, wenn sie so aus ihrem Privatleben erzählt. Vor zwei Jahren hatte sie einen schweren Motorradunfall, sie erlitt dabei ein Schädeltrauma. Seitdem, sagt Busch, sei sie rührselig geworden. Und dankbarer vielleicht auch. „Ich kann mich unglaublich freuen.“ Allerdings hat sie bei dem Unfall ihren Geruchssinn verloren – was ihre zierliche Figur erklärt. „Mir schmeckt wenig. Wenn, dann muss es ganz scharf sein.“

Leo Busch, das weiß sie selbst, ist nicht wirklich bekannt. Manchmal passiert es ihr, dass Leute sie ansprechen mit jenem unglückseligen Satz: „Sie kommen mir irgendwie bekannt vor.“ Sie weiß dann gar nicht, was sie sagen soll. „Ja, von n-tv etwa? Das ist auch blöd, vielleicht meinen die ja auch jemand anderen.“

„2+4“: Immer dienstags um 17 Uhr 05 auf n-tv, Wiederholung um 22 Uhr 05

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