Medien : Unmensch in Person

Heydrich-Porträt zum Start der ZDF-Reihe „Die SS“

Tilmann P. Gangloff

Unermüdlich produzieren die ZDF-Redaktion Zeitgeschichte und ihr Leiter Guido Knopp Dokumentationen über das Nazi- Reich: „Hitlers Helfer“, „Hitlers Krieger“, „Hitlers Kinder“ und diverse andere. Die Machart der Knopp-Reihen ist immer wieder identisch, selbst wenn die Themenstellungen völlig unterschiedlich sind. Die zeitgenössischen Aufnahmen werden mit dramatischer Musik unterlegt und im Wechsel mit den Erinnerungen von Zeitzeugen montiert. Knopps Emsigkeit hat allerdings ihren Grund. Der Fernseh-Historiker befindet sich in einem Wettlauf gegen die Zeit: In fünf bis acht Jahren, prognostiziert er, werden die Zeitzeugen nicht mehr leben.

Von heute an um 20 Uhr 15 ein Sechsteiler über die SS: Die „Schutzstaffel“, rechtfertigt Knopp die neue Reihe, sei bislang noch nicht umfassend, sondern immer nur in Teilaspekten dargestellt worden. Nun liege erstmals „eine kontinuierliche Geschichte auch mit Sicht auf die Täter" vor. Bis hin zu dem von Christian Brückner gewohnt markant gesprochenen Kommentar gehorcht allerdings auch die neue Reihe den bekannten Gepflogenheiten, die Knopp mit dem Hinweis auf die Sendezeit entschuldigt: Um 20 Uhr 15 befinde man sich nun mal in Konkurrenz zu Spielfilmen und Krimiserien. Dass sich die Autoren der Tatsache, kaum neue Bilder zu bieten, durchaus bewusst waren, belegen die ausdrücklichen Hinweise auf die wenigen Filmaufnahmen, die sie in privaten Archiven aufgestöbert haben; sensationell aber sind die Funde nicht (Heydrich in der Sommerfrische, Urlaub am Strand von Fehmarn: Als ob nicht auch die Massenmörder gern mal Urlaub vom Töten gemacht hätten).

„Großes Welttheater, so dramatisch, wie man gar kein Drama inszenieren kann", kündigt Knopp an; ein Versprechen, das die Reihe vor allem in den Einzelporträts hält. Der heutige Film über Reinhard Heydrich zum Beispiel versucht, die Motive der Massenmörder zu ergründen. Heydrich, blond, großgewachsen, äußerst sportlich und damit eine der wenigen Nazi-Größen, die dem körperlichen Ideal des Ariers auch entsprach, galt als Familienmensch, der Geige spielte und sich überhaupt sehr für Kunst und Kultur interessierte. Gleichzeitig war dieser „Unmensch in Person", wie ihn der Schriftsteller Ralph Giordano charakterisiert, der oberste Verdachtschöpfer des Reiches: Als Chef des Sicherheitsdienstes der SS, der Geheimen Staatspolizei und des Reichssicherheitshauptamtes war er bis zu seinem Tod durch ein Attentat im Jahr 1942 der unnachsichtige Verfolger all jener, die anders waren, anders dachten, anders glaubten; „ein junger, böser Todesgott", heißt es im Kommentar. Und all das bloß, wollen die Autoren nahelegen, weil er unehrenhaft aus der Marine entlassen worden war und später mit Macht den Makel auslöschen wollte, womöglich selbst ein Jude zu sein.

Doch auch in jenen Momenten, wenn der Film den Blick etwas weitet und schildert, wie die Deutschen unter Heydrich zu einem Volk von Denunzianten wurden, beschränkt sich die Perspektive auf die Person von „Hitlers klügster Bestie". Dies bleibt ein weiteres Manko der Werke aus der Knopp-Schule: Sie entlasten all die Mitläufer, die sich hinter prominenten Tätern wie Heydrich verstecken können.

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