Medien : Unsicherheit überm Lerchenberg

pa/jbh

Heute abend, 20 Uhr, geht der Fernsehrat des ZDF in die ersten Wahlgänge für einen neuen Intendanten - mit offenem Ausgang. Zwei Kandidaten stehen sich gegenüber: Der konservative "Freundeskreis" hat den stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Helmut Reitze nominiert, für den sozialdemokratischen Zirkel tritt Dagmar Reim, Chefin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg, an. 47 von 77 Stimmen muss ein Kandidat auf sich vereinigen. Nach wiederholten Zählungen auf beiden Seiten gibt es weder für Reitze noch für Reim eine Mehrheit. Was dann? Fernsehratschef Konrad Kraske hat die Gremienmitglieder bereits gebeten, sich bis Samstag zur Verfügung zu halten. Eine eindeutige Vorhersage, was nach soundsovielen Wahlgängen passiert, verbietet sich. Zieht eine Seite ihren Kandidaten zurück, kommen plötzlich neue Namen in die Debatte, wird es doch noch Gottfried Langenstein, Ex-Favorit der Konservativen? Darf die SPD dafür dessen Direktorenposten Europäische Satellitenprogramme besetzen?

Die schwarz-rote Findungskommission hat miserable Vorarbeit geleistet. Statt die Findung eines übergreifenden, überzeugenden Kandidaten voranzutreiben, wurden die Kräfte im Links-Rechts-Geschacher vergeudet. Die Atmosphäre ist vergiftet, was NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) mit dem Abmeiern der konservativen ZDF-Kandidaten erreicht hat und der konservative "Vordenker", der frühere "Bayernkurier"-Chefredakteur Wilfried Scharnagl, mit versuchtem "Stimmenkauf". Möglich, dass diese Vergangenheit erst über mehrere Wahlversuche aufgearbeitet werden muss und dann zur konstruktiven Intendanten-Findung geschritten wird.

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