Medien : Unter Doping-Schock

Das offizielle Tour-Begleitheft von ARD und ZDF

Joachim Huber

Aufregung wäre möglich. ARD und ZDF verwerten ihren Auftrag zum Senden weiter – zum Drucken eines Printprodukts. Es müssten nicht die öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender sein, die zum siebten Mal in Folge für das offizielle Programmheft zur „Tour de France“ verantwortlich zeichnen. Dieses hochauflagige und mit Werbung versehene Magazin zum Preis von 4,60 Euro auf den Markt zu bringen, dazu wären auch Verlage bereit und in der Lage gewesen.

Zahlreiche Artikel auf den 130 Seiten wollen das Generalthema „Runderneuerung?“ beantworten. Oder: Antworten zu versuchen zum Spannungsfeld Radsport/Doping. Was Peter Kaadtmann, der ARD-ZDFTeamchef zur „Tour 07“ in seinem Editorial anschlägt: „Schmerzlich müssen wir erkennen, dass für das Fernsehen Medienmacht nicht mit Wissensmacht gleichzusetzen ist“, das bestimmt auch den Text von Rolf-Dieter Ganz. Der Mann für ARD-Sonderaufgaben schreibt: „Ich gebe zu: Nur zu gerne habe ich geglaubt, dass ,meine Helden‘ sauber waren.“ Es gibt noch mehr von diesen „Mea culpa“-Rufen, das geht bis zur Verzweiflung über einen verlorenen Glauben an einen sauber-unschuldigen Sport. Fast scheint es, als habe der Radrennsport eine neue Disziplin erschaffen – das Doping. Gewinner ist, wer nicht erwischt wird ...

Sicher, auf den Hochglanzseiten wird, gerade in den Rückblicken, Statistiken und Fotos, wieder die Faszination dieser herkulischen Anstrengung je Fahrer – 3550 Kilometer in 20 Etappen – beschworen, allein, eine Prognose über eine „saubere Tour“ wagt keiner.

Der Serviceteil ist üppig, alle Teams, alle Fahrer, alle Etappen mit ausführlicher Legende. Wer das Tour-TV bei ARD und ZDF verfolgt, der kann bestens präpariert in den Fernsehsessel steigen. Skepsis auch hier, deutlich wird auf den Redaktionsschluss des Heftes vom 7. Juni hingewiesen, die „Top Ten“ sind „Unter Startvorbehalt“ gelistet. Joachim Huber

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