"Unter Verdacht" mit Senta Berger : Trübes Wasser

Als Kommissarin Eva Prohacek kümmert sich Senta Berger in einer neuen Folge des Krimis "Unter Verdacht" um schmutzige Geschäfte in der Idylle. Bayern wird hier so schön ins Bild gerückt, wie selten in der Reihe.

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Eva Prohacek (Senta Berger, re.) steht Sophie (Anne Schäfer) bei.
Eva Prohacek (Senta Berger, re.) steht Sophie (Anne Schäfer) bei.Foto: Arte

Eva Prohacek (Senta Berger) dreht den Wasserhahn auf, dann besinnt sie sich anders und trinkt lieber doch aus der Mineralwasserflasche. Zuvor hatten sie und Kollege Langner (Rudolf Krause) eine Mutter mit ihrem Baby auf der Straße aufgelesen und ins Krankenhaus gebracht. Das Baby stirbt, möglicherweise infolge einer Verunreinigung im Trinkwasser. „Ein Kind stirbt an Leitungswasser, das kann doch gar nicht sein – bei uns“, sagt die Prohacek. Trinkwassernot in Oberbayern. Eine Gemeinde, die so klamm ist, dass sie ihr Wasserwerk nicht sanieren kann. Auch der 19. „Unter Verdacht“-Film untergräbt mit Garstigkeit das Klischee vom bayerischen Idyll. Dabei wird Bayern hier so schön ins Bild gerückt wie selten in dieser Reihe, es geht aufs Land, nach Brunnharting, einem fiktiven Ort natürlich – die Postkartenansichten liefert Landsberg am Lech. Doch die Spezlwirtschaft funktioniert in der Provinz so gut wie in München. Daher kann auch Claus Reiter (Gerd Anthoff), Prohaceks Vorgesetzter, nicht weit sein. Er logiert im Urlaub in der prächtigen Villa seines alten Schulfreunds, des Bauunternehmers Wastl Rossmeisl (Helmut Berger), und kurvt mit dessen Spezln im Oldtimer durch die schöne Landschaft.

Drehbuchautor Rainer Berg hat sich eine komplizierte Geschichte ausgedacht, die mit einem Einbruch bei Toni Schiermeier (Friedrich von Thun), dem Leiter des Wasserwerks, beginnt. Schiermeier überrascht den Dieb, der im Gerangel einen Schuss abgibt. Die Kugel verletzt niemanden, aber sie stammt aus der Dienstwaffe eines Brunnhartinger Polizisten – somit sind die internen Ermittler Prohacek und Langner im Spiel. Außerdem flattert ein anonymes Schreiben auf Prohaceks Schreibtisch, worin von Manipulation, Bestechung und Sabotage rund um das Wasserwerk die Rede ist. Als Autor entpuppt sich Ingenieur Erler, da schwimmt seine Leiche leider schon im See. Angeblich Selbstmord. Erlers Frau Verena (Carin C. Tietze) wiederum ist die neue Bürgermeisterin von Brunnharting, gewählt von der Fraktion des örtlichen Bierkönigs Schorsch Bichler (Michael Greiling) und heimlich verbandelt mit Manager Michael Trenk (Heio von Stetten), die beide zufällig ebenfalls zu den Oldtimer-Spezln gehören. Man hat, wie sollte es anders sein, ein einträgliches Geschäft mit dem Wasser im Sinn.

„Das Blut der Erde“ ist nicht der spannendste Film dieser Reihe, aber vielleicht der bayerischste. Ein Vergnügen ist das Zusammenspiel von Berger, Krause, Anthoff: Während „Frau Doktor Prohacek“ mit feiner Klinge ficht und des Bierbrauers Charme-Attacke hübsch gewählt mit „Herr Schorsch“ pariert, kann Gerd Anthoff die boshaft-tragischen Kleinbürgerzüge des „Doktor Reiter“ hier besonders ausspielen. Thomas Gehringer

„Unter Verdacht: Das Blut der Erde“; Arte, 11. Januar, 20 Uhr 15

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