Medien : Untergang des Hähnchen-Fürsten

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Als vor rund einem Jahr die Dreharbeiten für die vierteilige NDR-Reihe „Lebensträume“ begannen, war noch nicht klar, dass das Thema bei der Ausstrahlung (erster Teil heute, ARD, 21 Uhr 45) so aktuell sein würde. Die Reihe erzählt die Geschichten von vier der erfolgreichsten deutschen Unternehmern der Nachkriegszeit. Und von ihrem tiefen Fall: von Friedrich Jahn, dem Herrscher über den Wienerwald, „Necko“ Josef Neckermann, Autokönig Carl F. W. Borgward und dem millionenschwere Marxisten Hannsheinz Porst. Die vier Filme über steile Karrieren und ein Scheitern auf hohem Niveau lassen unwillkürlich an Leo Kirch denken. Wie die porträtierten Unternehmer war auch er ein Einzelkämpfer, den der Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg hervorgebracht hat.

Die Serie soll nicht nur an die Aufbruchszeit der Bundesrepublik erinnern, sondern auch zum Nachdenken über die Gründe für die schwächelnde Wirtschaft heute anregen, meint Hans-Jürgen Börner, Leiter der Redaktion Aktuelles und Dokumentation beim NDR: „Was hatten denn diese Unternehmer, was die heutigen nicht mehr haben?“

Was Friedrich Jahn ausmachte, zeigt heute der erste Film der Reihe „Vom Kellner zum Millionär – und zurück": Ein unerschütterlicher Optimismus scheint es vor allem gewesen zu sein, mit dem es dem Linzer aus ärmlichen Verhältnissen gelang, immer mehr Deutsche seinem Credo folgen zu lassen: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald.“ Auf dem Höhepunkt seines Erfolges wurde ihm Deutschland zu klein. Er ging in die USA. Um seine Geschäftspartner dort zu begeistern, sagte er in falschem Englisch: „We must looking vorwärts.“ Seine Zuversicht blieb ihm erhalten, als er Ende der 80er den größten Teil seines Wienerwald-Imperiums aufgeben musste. Dem Patriarchen war irgendwann der Überblick verloren gegangen – eine auffallende Übereinstimmung zu den Geschichten der anderen Erfolgsmänner. Und bei allen bedeutete das den Anfang vom Ende. Iris Ockenfels

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