Medien : Unterhalten auf undumme Art

Satirezeitschrift „Pardon“ hat einen neuen Verleger

Birte Hedden

Still war es um „Pardon“ geworden, nachdem sich die Aufregung um die Wiederauflage von Deutschlands erstem Satiremagazin im Frühjahr 2004 gelegt hatte. Jetzt hat Herausgeber und Chefredakteur Bernd Zeller einen Verlag in Erfurt gefunden, der das Heft als Prestigeobjekt des Hauses produzieren und vermarkten will.

Daran hatte es „Pardon“ bisher gefehlt. Nach eineinhalb Jahren drohte das Projekt finanziell zu scheitern. Auch inhaltlich ist nichts mehr vom Starrummel der ersten Neuausgabe geblieben. Damals hatten so prominente Autoren wie Roger Willemsen, Wiglaf Droste, Götz Alsmann oder Harald Schmidt für das erste Heft geschrieben. Für Schmidt hatte der 39-jährige Zeller über Jahre hinweg die Gags geschrieben. „Stars kann ich mir nicht leisten“, sagt Bernd Zeller heute. Kein Honorar, sondern eine Aufwandsentschädigung zahlt Zeller seinen Autoren.

Bereits im Februar hatte der Ein-Mann-Verleger umschwenken müssen. Damals stellte Zeller vom monatlichen auf dreimonatiges Erscheinen um. Ihm sei von Anfang an klar gewesen, dass er als Verleger nicht der richtige Mann gewesen sei, sagt Zeller. Aber der Buchautor aus Jena wollte „finanziell den Überblick behalten“. Und „niemanden zum Schuldsein einstellen“.

„Unterhaltung auf undumme Art“ nennt Zeller das, was er mit „Pardon“ erreichen wollte – immer noch erreichen will. Zeller bleibt dem Heft als Chefredakteur und Herausgeber erhalten. Obwohl er Sätze sagt wie: „Ich will in Zukunft überflüssig werden.“ Auf verlegerischer Seite hat Zeller das geschafft. Leon Kursawe wird mit der nächsten Nummer, die Ende August erscheint, das Heft produzieren. Zeller ist überzeugt, dass Kursawe der Richtige dafür ist. „Wenn ich mit nichts so viel machen kann, dann werden andere mit ein bisschen mehr viel erreichen“, sagt er.

Angefangen hatte „Pardon“ 2004 mit einer Auflage von 100 000 Exemplaren. Weil sich Zeller, wie er selbst sagt, zu wenig um das Management des Verlages, um Marketing, Sponsoren und Werbung gekümmert hat, ist die Auflage auf momentan 42000 Exemplare gesunken. Dafür kostet das Heft nur noch 3 Euro 20 und nicht mehr vier. Bisher habe das gereicht, um die Kosten zu decken.

Trotz der Schwierigkeiten findet es Zeller gut, „Pardon“ wiederbelebt zu haben. Deutschland könne mehr Satire vertragen. Ihm habe alles nur viel zu lange gedauert. Das erste Heft brauchte zwei Jahre, bis es fertig war. Zeller beklagt, dass „in Deutschland zu wenig ausprobiert“ werde. Auf „Pardon“ trifft das nicht zu. Von einem Ein-Mann-Abenteuer wird es jetzt zum Probierfeld eines Kleinverlages.

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