Unterhaltung kaputt : Mehr "Tagesschau", mehr "heute-journal"

Joachim Huber wünscht sich eine Auweitung der öffentlich-rechtlichen Informationszone

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Die "Tagesschau" interessierte am Montag mehr als jede andere Fernsehsendung
Die "Tagesschau" interessierte am Montag mehr als jede andere FernsehsendungFoto: ARD

Das Publikum hat sich entschieden. Am Montag, für die Information über die Kriege und Unruhen auf dieser Welt. Die „Tagesschau“ mit 4,50 Millionen Zuschauer und das „heute-journal“ mit knapp 3,60 Millionen waren die am stärksten eingeschalteten Sendungen am 11. August. Erst dahinter sortierte sich die Unterhaltung ein. Ein bemerkenswerter Erfolg für die öffentlich-rechtliche Informationsleistung. Und die Aufforderung, es nicht bei 15 Minuten „Tagesschau“ und 30 Minuten „heute-journal“ zu belassen.

Stets wird in den Sendungen auf die famosen Anstrengungen von „tagesschau.de“ und „heute.de“ verwiesen. Eigentlich: Wenn Sie, liebes Publikum, mal richtig Bescheid wissen wollen, dann schalten Sie ab und wechseln Sie bitte zu den Online-Plattformen. Ein größeres Dementi der eigenen Leistung geht kaum. Was spricht zudem dagegen, die Nachrichten zu verlängern? Gewohnheit, Programmschema, Sommerpause in den Redaktionen?

In keinem Medienunternehmen wird das Entspannungsmoment so heilig gehalten wie in den Sendern von ARD und ZDF. Die Talkshows sind da nur die sichtbare Spitze des Willens zur ausgedehnten Regeneration: „Günther Jauch“ pausiert seit Anfang Juli und bis Ende September. Das ist jetzt kein Appell, die Talker unisono aus der Erholungs- in die Arbeitsphase zurückzubeordern. Nein, es geht darum, dass die öffentlich-rechtlichen Sender sich für die Sommermonate Ersatz- oder Überbrückungsformate ausdenken. Ein Fernsehen, das sich, die Zuschauer und die Zeitläufe ernst nimmt, kann sich nicht mit einem Pausenprogramm durchmogeln.

Es geht um Glaubwürdigkeit. Sie ist, jedenfalls im Unterhaltungssektor – Rankingshows! – schwer angekratzt. Die öffentlich-rechtliche Information ist es nicht. Die Krisen der Welt und die Krise des Entertainments schießen zusammen. Weniger Unterhaltung ist mehr Information und mehr Information ist öffentlich-rechtlicher Auftrag. Kürzer: das, wofür der Beitragszahler zahlt.

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