Unternhemen : Hoffnung im Hasenland

Das Geschäft kränkelt. Die Geschäftsführung des Playboy-Imperiums macht das Internet dafür verantwortlich. Denn der Das geschäft mit dem Sex im Internet boomt. Ob die Schlankheitskur den Konzern retten wird, ist fraglich.

Sonja Pohlmann
Hugh heffner
Boss der Bunnys: Firmengründer Hugh Hefner inszeniert sein Leben als Playboy. -Foto: dpa

So richtig gut lief es für Hugh Hefner nicht in letzter Zeit. Erst wurde er von seinem „Lieblingsbunny“ Holly Madison verlassen, kurz darauf verabschiedete sich auch seine Freundin Kendra Wilkinson – und jetzt wackelt sogar der Sockel, auf dem sein Ruhm als der wohl größte Playboy aller Zeiten überhaupt gründet. Das Unternehmen Playboy Enterprises, das Hefner seit der Gründung des legendären Magazins vor knapp 55 Jahren zu einem Me dien imperium ausbaute, verzeichnete zuletzt in all seinen Geschäftsbereichen Verluste. Die Playboy Entertainment Group büßte 1,8 Millionen Dollar ein, die Gewinne aus dem TV-Geschäft gingen sogar von 21,6 Millionen auf 14,8 Millionen Dollar zurück. Und selbst das „Playboy“-Magazin musste einen Umsatzverlust von neun Prozent hinnehmen.

Als Grund für diese Bedrängnis nennt das Unternehmen wachsende Konkurrenz im Printmarkt, Werbepartner, die in andere Märkte abwandern, und steigende Produktions- und Vertriebskosten – vor allem aber macht dem Unternehmen das Internet zu schaffen. Nackte gibt’s im Netz in Massen, Videos und Bilder sind jederzeit und kostenlos bei Anbietern wie Youporn oder Red-Tube zu sehen.

Auch der deutsche „Playboy“steht deswegen zunehmend unter Druck. Die verkaufte Auflage des Magazins sank auf 233 411 Exemplare im dritten Quartal 2008, was einem Minus von 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Einen „Kampf gegen das Internet“ will Chefredakteur Stefan Schmortte trotzdem nicht führen. Er ist sicher, dass der Erfolg seines Magazins nicht allein auf Nacktfotos beruhe – es sei nämlich gar kein Scherz, dass der „Playboy“ wegen der guten Texte gelesen werde: „Wer ,Playboy‘ kauft oder auf playboy.de geht, erwartet mehr als ,Nackte‘, beispielsweise Reportagen, Potraits und Interviews“, sagt er.

Der deutsche „Playboy“ gehört wie die anderen 24 internationalen Ausgaben zum Lizenzgeschäft des amerikanischen Medienkonzerns. Die in München ansässige Redaktion ist von den rigiden Sparvorgaben, die Playboy Enterprises bevorstehen, aber nicht betroffen. Der Mutterkonzern soll nach den verlustreichen Quartalen jetzt wieder auf Gewinnkurs gebracht werden – allerdings nicht von Hefner selbst. Schon vor 20 Jahren hat er die Geschäftsführung an seine heute 55-jährige Tochter Christie Hefner abgegeben, die mit ihren grauen Haaren und der Vorliebe für Rollkragenpullover das Gegenteil von Hefners silikonunterspritzten „Hasen“ ist. Zwölf Millionen Dollar will Christie Hefner beim Unternehmen einsparen. 80 Stellen sollen gestrichen werden, in den Büros glühen nun Energiesparlampen und Weihnachtskarten werden dieses Jahr nur online verschickt. Der Konzern soll insgesamt verschlankt und fit für die digitalen Märkte gemacht werden. Das DVD-Geschäft wurde dafür ganz abgestoßen. „Das Geschäft lohnt sich nicht mehr“, sagt Martha Lindeman, Sprecherin bei Playboy Enterprises. Filme könnten auf den in den USA verbreiteten On-Demand-Channels jederzeit abgefragt werden. Und wie beliebt der Porno-Konsum im Netz ist, zeigen alleine Seiten wie adultfriendfinder und Youporn, die unter den weltweit am meisten angeklickten Websites vordere Plätz belegen.

„Als Konsequenz werden wir im ,Playboy‘ jetzt aber nicht noch mehr nackte Frauen zeigen“, sagt Lindeman. Wie auch Schmortte sagte sie, dass die Zeitschrift von Männer gekauft wird, die vor allem spannende Interviews und Geschichten lesen und sich nur nebenbei Bilder von schönen Frauen anschauen möchten.

Auch wenn das Hochglanzmagazin nun angesichts der Gewinneinbußen auf dünnerem Papier gedruckt wird – eingestellt oder gar abgestoßen werden soll es nicht. „Der ,Playboy‘ macht die Kraft unserer Marke erst aus“, sagt Martha Lindeman. Während das Stammgeschäft und die Entertainment-Sparte ein wenig kränkeln, läuft das Merchandising des Unternehmens weiterhin gut. Ob Dessous, Bettwäsche, Parfums oder Schmuck – überall, wo der berühmte Hasenkopf drauf ist, kassiert der Konzern mit. Martha Lindeman erklärt die Anziehungskraft der Marke mit dem Mythos, der vom 82-jährigen Hugh Hefner noch immer befeuert wird. In Deutschland auch auf dem Sender Viva zu sehen, inszeniert er sein Leben öffentlich so, wie es der Traum vieler Männer zu sein scheint: Stets von den blondesten Frauen umgeben, wohnt er in der berüchtigten Playboy-Mansion mit 70 Zimmern, Hausangestellten und einer Poollandschaft mit Liebesgrotte, Hollywood-Stars kommen regelmäßig zum Feiern vorbei. „Wer unsere Produkte kauft, will zumindest dieses Gefühl von Spaß und Freiheit mitkaufen“, sagt Martha Lindeman. Hugh Hefner dürfte sich deshalb wohl keine Sorgen machen, dass ihm aus Sparzwang das Wasser aus dem Pool gelassen wird.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben