Unverpixelt : Die Gesichter der Opfer

Nach den Busunglück: Kritik an Veröffentlichung der Fotos der verunglückten Kinder. Eine erste Beschwerde gegen "Bild" ist beim Presserat eingegangen.

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Die Fotos zeigen lächelnde Kinder. Es sind die belgischen Schüler, die am Dienstagabend beim Busunglück in der Schweiz ums Leben kamen. Nicht nur mehrere flämische Zeitungen veröffentlichten am Freitag ungepixelte Fotos der Todesopfer, sondern auch die „Bild“-Zeitung – obwohl im deutschen Pressekodex geschrieben steht, dass bei Unglücksfällen keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung ermöglichen würden, veröffentlicht werden sollten. Insbesondere Kinder und Jugendliche seien zu schützen. „Sensationsbedürfnisse allein“ könnten ein Informationsinteresse der Öffentlichkeit nicht begründen, heißt es im Kodex.

Eine erste Beschwerde gegen die Veröffentlichung der Fotos in der „Bild“ ist am Freitag beim Presserat eingegangen. In Belgien wurden die flämischen Zeitungen heftig kritisiert. Dass die Fotos über soziale Netzwerke im Internet verfügbar seien, „heißt nicht, dass man sie nutzen und veröffentlichen kann“, sagte die für Kommunikation zuständige flämische Ministerin Ingrid Lieten. Der Ethikrat der belgischen Presse (CDJ) erklärte, das Informationsrecht der Journalisten sei „nicht unbegrenzt“. Die „Bild“ habe eine Genehmigung für die Veröffentlichung der Fotos erhalten, sagte „Bild“-Sprecher Tobias Fröhlich. Von wem, sagte er nicht. Ein Sensationsbedürfnis habe mit den Bildern aber nicht befriedigt werden sollen: „Es handelt sich hier um eine respektvolle und sachliche Darstellung.“

Der Deutsche Presserat, dessen Sprecher Bernd Hilder am Freitag nach zwei Jahren turnusgemäß von Ursula Ernst, Redakteurin der „Augsburger Allgemeinen“, abgelöst wurde, wird sich bei seiner nächsten Sitzung im Juni mit der Beschwerde gegen die „Bild“ befassen. Bereits 2011 hatte der Presserat Veröffentlichungen zum Amoklauf auf der Insel Utoya in Oslo kritisiert, in denen eine Vielzahl von Opfern mit Bild und vollem Namen dargestellt worden waren. Sonja Pohlmann/AFP

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