US-Komiker : Stephen Colbert ist der Böhmermann Amerikas

US-Komiker Stephen Colbert reißt derbe Witze über US-Präsident Donald Trump und das Geschlechtsteil von Wladimir Putin. Entschuldigungen lehnt er ab.

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Attacke auf Donald Trump: US-Komiker Stephen Colbert
Attacke auf Donald Trump: US-Komiker Stephen ColbertFoto: Reuters

Noch nie ist ein amerikanischer Präsident in seinen ersten Monaten im Amt so häufig und so heftig durch den Kakao gezogen worden wie Donald Trump. Nach einer Untersuchung der George-Mason-Universität in Virginia machten sich Fernseh-Komiker in Trumps ersten 100 Tagen im Weißen Haus in genau 1060 Witzen über das neue Staatsoberhaupt lustig. Damit schlägt Trump seinen Vorgänger Barack Obama um mehr als hundert Witze. Aber nicht nur die Masse macht’s. Eine besonders derbe Bemerkung des Komikers Stephen Colbert über Trump hat eine Diskussion darüber ausgelöst, was Satire darf und was nicht. Stephen Colbert wird zum amerikanischen Jan Böhmermann.

Beim Sender CBS präsentiert der 52-jährige Colbert an Wochentagen kurz vor Mitternacht die legendäre „Late Show“, die er vor zwei Jahren von der Talk-Legende David Letterman übernommen hatte. Wie bei bei dem Sendeformat üblich, beginnt die Sendung mit einem Live-Monolog vor einem Publikum im Studio, bei dem sich Colbert gern und häufig den Präsidenten vornimmt. Vergangene Woche hatte er einen ganz besonderen Grund, Trump zu attackieren: Der Präsident hatte den CBS-Moderator John Dickerson in einem Interview beleidigt und das Gespräch nach einer ihm unangenehmen Frage abgebrochen.

„Wenn du ein Mitglied der CBS-Familie beleidigst, dann beleidigst du uns alle“, sagte Colbert an Trump gerichtet – und legte los. In einer Tirade überhäufte der Komiker den Präsidenten mit einer Kaskade von Beschimpfungen, die in der Bemerkung gipfelten, Trumps Mund eigne sich lediglich als Tasche für das Geschlechtsteil von Wladimir Putin.

Die Reaktionen ließen nicht auf sich warten. Unter dem Hashtag „#FireColbert“ fordern Trump-Anhänger auf Twitter die Entlassung des Komikers und rufen zum Boykott von CBS und der Werbekunden des Senders auf. Colbert sei eindeutig zu weit gegangen und habe die im Fernsehen geltenden Grenzen des Anstandes überschritten, lautet das Argument. Im Internet werden Unterschriften gesammelt, um CBS dazu zu bringen, sich von Colbert zu trennen. Zum Teil wird dem Komiker vorgeworfen, sein Putin-Satz sei schwulenfeindlich gewesen.

Trump will Medien gesetzlich stärker an die Kandare zu nehmen

Mit seinen kruden Trump-Witzen wolle Colbert lediglich seine Einschaltquoten in die Höhe treiben, merkte der dem Präsidenten nahe stehende Sender Fox News an. Konservative beklagen, dass viele mehrheitlich linksliberale Komiker, Medien und Filmleute mit dem neuen Präsidenten wesentlich härter ins Gericht gehen, als sie es mit Obama taten.

Die amerikanische Fernsehaufsicht erklärte mittlerweile, nach dem Eingang von Beschwerden prüfe sie ein Bußgeldverfahren gegen den Komiker. „Obszöne“ Bemerkungen sind auch um Mitternacht im US-Fernsehen nicht gerne gesehen. Juristische Schritte wegen Präsidentenbeleidigung hat Colbert anders als sein deutscher Kollege Böhmermann nach dessen Schmähgedicht über den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan allerdings nicht zu befürchten, weil die amerikanischen Gerichte das Recht auf Meinungsfreiheit sehr weit auslegen.

Trump hat zwar mehrmals angedeutet, er wolle die Gesetze ändern, um die Medien stärker an die Kandare zu nehmen, bisher aber nichts Konkretes unternommen. Colbert selbst gestand angesichts der Welle von Kritik ein, seine Wortwahl sei an einigen Stellen rabiater gewesen als nötig. Den Vorwurf der Homophobie wies er aber zurück und betonte, Trump als mächtigster Mann der Welt könne sich schon wehren. Eine Entschuldigung lehnte er ab: „Ich bereue es nicht.“

Dass ausgerechnet die Fans von Trump, der im Wahlkampf mit extrem frauenfeindlichen Äußerungen aus seiner Vergangenheit konfrontiert wurde und der bei seinen Angriffen auf Gegner kein Kind von Traurigkeit ist, plötzlich bei Colbert eine untragbare Gossensprache beklagen, gehört zu den bemerkenswerten Aspekten der Debatte.

Inzwischen treten selbst Vertreter der Konservativen dafür ein, im Fall Colbert die Kirche im Dorf zu lassen. Sean Hannity, einer der einflussreichsten Moderatoren bei Fox News und ein prominenter Trump-Fan, wandte sich öffentlich gegen die „#FireColbert“-Kampagne. Zwar unterstütze er einen CBS-Boykott, schrieb Hannity auf Twitter. Schließlich sei Colbert ein „fürchterlicher Mensch“. Aber das allein sei kein Grund für eine Entlassung. „Wenn ihr ihn nicht mögt, dann schaltet einfach um.“

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