US-Serie : Ein Medium auf Mörderjagd

Mit "The Mentalist" präsentiert Sat 1 die erfolgreichste neue US-Serie der TV-Saison.

Thomas GehringerD

Patrick Jane, ein blonder Lockenkopf mit charmantem Lächeln, hat eine eigenwillige Art, Mörder zu jagen. Kurz gesagt: Er weiß es besser – immer. Und er hat Recht – ebenso immer. Was aber nicht bedeutet, dass er immer das Richtige täte. Gleich zu Beginn treibt er eine familiäre Katastrophe auf die Spitze, indem er die Eltern eines getöteten Mädchens etwas zu forsch befragt. Und nachdem die Gattin den Gatten erschossen hat, erklärt er dem hereinstürmenden Einsatzkommando beschwichtigend: „Das ist, ehrlich gesagt, nicht so schlimm, wie es aussieht.“ Verblüffend, schräg, irrational und doch intelligent – mit wenigen Szenen verstehen es amerikanische Serien wie „The Mentalist“, auf ihre Hauptfigur neugierig zu machen.

Die CBS-Serie war im vergangenen Herbst mit mehr als 15 Millionen Zuschauern die erfolgreichste der neuen Serien in den USA. Bereits ein halbes Jahr später schickt Sat 1 „The Mentalist“ am schwierigen Sonntagabend ins Rennen– wie bei CBS im Verbund mit „Navy CIS“. Produzent Bruno Heller („Rome“) hat eine Krimiserie ohne die edel-modern inszenierte Leichenfledderei à la „CSI“ erfunden. Patrick Jane, gespielt von Simon Baker, löst die Fälle durch genaue Beobachtung und raffinierte Tricks. Jedenfalls sollte man gegen ihn niemals „Papier, Schere, Stein“ spielen. Denn ein „Mentalist“ ist eine Art Zauberkünstler, der scheinbar Gedanken lesen kann. „Ich passe nur gut auf“, sagt Jane. Früher war er als Medium erfolgreich. Doch als er in einer Fernseh-Show prahlte, er werde der Polizei helfen, einen Serienkiller zu finden, bewies der ihm, dass Jane eben doch kein Hellseher ist, und tötete dessen Frau und Kind. Bemerkenswert, wie „The Mentalist“ die Balance hält aus Dialogwitz, bisweilen makabrem Humor und der tragischen Geschichte der Hauptfigur.

Die Suche nach dem Mörder seiner Familie bleibt im Hintergrund immer präsent, doch in jeder Folge werden abgeschlossene Fälle erzählt. Patrick Jane leidet unter Schlafstörungen, ist so clever, arrogant und eigenbrötlerisch wie „Dr. House“, aber bei weitem nicht so mürrisch und verletzend. Eher ein versponnener Sunnyboy, dessen Überheblichkeit und Alleingänge seinen Polizeikollegen auf die Nerven fallen. Er arbeitet in einem kalifornischen Ermittlerteam, das von der attraktiven Teresa Lisbon geleitet wird. Doch nicht nur erotische Spannung liegt in der Luft. Mit der neuen, religiösen Kollegin Grace Van Pelt (Amanda Righetti) streitet Patrick Jane über das Leben nach dem Tod. Er kann Zeugen hypnotisieren und auf diese Weise noch Tage später zum Reden bringen, doch mit dem Glauben an Übersinnliches kann das einstige „Medium“ nichts anfangen. Jedenfalls bildet es sich ein, auch das besser zu wissen. T

„The Mentalist“, Sat 1, 21 Uhr 15

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