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US-Studie zu Nachrichten : ARD ist Spitze bei negativen Trump-Berichten

Studie der Harvard-Uni zeigt: Die "Tagesschau" liegt beim negativen Trump-Bild noch vor den US-Medien. Die ARD ihrerseits bezweifelt Seriosität der Ergebnisse

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Thema in der "Tagesschau": Donald Trump an der Klagemauer in Jerusalem.
Thema in der "Tagesschau": Donald Trump an der Klagemauer in Jerusalem.Screenshot: Tsp

Donald Trump wird dieses Ergebnis schlichtweg „Fake News“ schimpfen. 98 Prozent der Berichte in der ARD über die ersten 100 Tage des neuen US-Präsidenten sollen einen negativen Ton gehabt haben. Zu diesem Resultat kommt eine Studie des Harvard University Shorenstein Centers, die zusammen mit Media Tenor International veröffentlicht wurde. Trump kommt aber auch bei den US-Medien nicht gut an. CNN, von Trump mehr als einmal als „Fake News“ beschimpft, kommt auf einen Wert von 93 Prozent negativer Berichterstattung, gleichauf mit NBC, die „New York Times“ liegt bei 93 Prozent, die „Washington Post“ bei 91 Prozent. Selbst Fox News, Donald Trump im Wahlkampf sehr zugetan, kommt im Vergleich negativer zu positiver Tonalität auf 52 zu 48 Prozent. Im Schnitt aller untersuchten Medien in den USA wie auch international (BBC, „Financial Times“) liegt der Negativwert bei 80 Prozent.

Bei seinen Vorgängern lagen die Quoten anders. Barack Obama hatte nach 100 Tagen Präsidentschaft rund 59 Prozent positive Berichterstattung, George W. Bush 43 Prozent und Bill Clinton 40 Prozent. Was auch stimmt: „All Trump, All the Time“. Der amtierende US-Präsident ist in den Nachrichten um Längen präsenter als seine Vorgänger. Bei Fox News genauso wie bei der ARD.

Studie nicht seriös, sagt die ARD

ARD-Sprecher Steffen Grimberg hat am Mittwoch auf die Studie reagiert. In seiner Stellungnahme schreibt er: "Unseres Wissens wurde hier als ,ARD' nur die Hauptausgabe der „Tagesschau“ ausgewertet, nicht das gesamte Informationsprogramm des  Ersten Deutschen Fernsehens, geschweige denn der ARD inkl. Radio. Die Studie stellt die Berichterstattung der ARD nicht seriös dar. Erstens geht es wie gesagt offenbar nur um die Hauptausgabe der „tagesschau“. Zweitens wird, wie die Verfasser selber zugeben, über ein Drittel der Berichterstattung ausgeblendet, weil sie „neutral“ war.

Der Maßstab für „negativ” oder „positiv” sei nicht irgendein (wissenschaftlicher) Kriterienkatalog, sondern die Perspektive der Person, über die berichtet wird - also die Sicht von Präsident Trump. "Heißt im Klartext: Wenn die ,tagesschau' sachlich darüber berichtet hat, dass Präsident Trump durch Dritte (z.B. andere Politiker/innen) kritisiert wurde, zählt das in dieser Studie als negative Berichterstattung durch die ,tagesschau'", schreibt Grimberg.

Ebenfalls als negativ wurde laut ARD-Sprecher gewertet, wenn die „tagesschau“ über ein Ereignis berichtet hat, bei dem sich Präsident Trump nicht durchsetzen konnte – zum Beispiel das Einreiseverbot für Muslime oder die von seiner eigenen Partei zurückgezogene Gesundheitsreform. "Die Verfasser der Studie schreiben daher selbst, dass sich aus ihren Zahlen nicht ablesen lässt, ob die Berichterstattung über Trump fair und ausgewogen war", urteilt Grimberg.

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