US-Wahlkampf : Auge in Auge: Amerika wartet auf das erste TV-Duell

Am 3. Oktober findet in den USA das erste TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney statt. Der US-Präsident und sein Herausforderer trainieren dafür bereits hart. Sie wissen, dass Ihr Auftritt entscheidend für die Wahl sein könnte.

von
So nah wie ihre beiden Doubles Mike Cote (l.) und Louis Ortiz sind sich Herausforderer Mitt Romney und US-Präsident Barack Obama noch nicht gekommen. Foto: AFP
So nah wie ihre beiden Doubles Mike Cote (l.) und Louis Ortiz sind sich Herausforderer Mitt Romney und US-Präsident Barack Obama...Foto: AFP

Die Parteitage sind absolviert, die Anhänger mobilisiert, die Spendengelder fließen. Doch das wichtigste Ereignis im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf kommt erst noch – die erste TV-Debatte von Barack Obama und Mitt Romney am 3. Oktober in Denver. Das ist der Tag des direkten Vergleichs. Auge in Auge. Alle großen Sender, darunter NBC, ABC, CNN und FoxNews werden die Begegnung zur Primetime übertragen, fünfzig bis sechzig Millionen Zuschauer werden erwartet. Gut möglich, dass an diesem Abend eine Vorentscheidung fällt.

Amerika liebt den Showdown. Hier wurde das Duell-Format erfunden und perfektioniert. Ob Haarschnitt, Haltung, Körpersprache oder Rhetorik: Alles wird einstudiert, nichts dem Zufall überlassen. Ob Kleidung, Mimik, Gestik oder Spontanität: Jedes Detail des Gegners wird analysiert und auf Schwächen untersucht. Wer kann punchen, einen Witz landen, den anderen nervös machen ohne unseriös zu wirken? Wie lässt sich Fachkompetenz suggerieren ohne zu dozieren?

Mit großer Intensität bereiten sich beide Lager auf ihren Auftritt vor. Romney zieht sich dazu in das Haus eines Freundes in den Bergen von Vermont zurück. Sein Sparringspartner ist Senator Rob Portman aus Ohio, der Obama spielt. Zwei Minuten pro Antwort sind erlaubt, alles wird auf Video aufgezeichnet und anschließend ausgewertet.

Obamas Sparringspartner ist Senator John Kerry aus Massachusetts. Der demokratische Präsidentschaftskandidat von 2004 erinnert nicht nur äußerlich an Romney – groß, etwas steif und ungelenk –, sondern kennt diesen auch bestens aus dessen Amtszeit als Gouverneur von Massachusetts. Beide verbindet eine herzliche Abneigung. Weil Romney in den Vorwahlen eine Reihe von Debatten gegen seine republikanischen Mitbewerber bestreiten musste, liefert er dem Obama-Camp recht aktuelles ideales Anschauungsmaterial.

Obama vs. Romney - der Wahlkampf in Bildern
Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die Staaten, in denen sich die Wahl entscheiden soll. Hier geht's lang.Weitere Bilder anzeigen
1 von 35Foto: Afp
05.11.2012 12:03Unterstützer des amtierenden US-Präsidenten Barack Obama in Wisconsin, das als "Swing-State" gilt. Erfahren Sie mehr über die...

Die Ablaufdetails der Fernsehdebatten sind das Ergebnis oft langwieriger Verhandlungen. Dürfen die Kontrahenten während der 90 Minuten das Stehpult verlassen? Dürfen sie Aufzeichnungen mitbringen? Darf das Publikum applaudieren? Wie ist die Beleuchtung, die Kameraeinstellung, die Temperatur im Studio? Am Ende wird alles in einem Vertrag geregelt.

Und wer gewinnt ein solches TV-Duell? Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Denn drei Regeln gilt es zu beachten. Regel Nummer eins: Meistens gewinnt nicht einfach der Bessere, sondern derjenige, der besser war, als man erwartet hatte. In dieser Beziehung ist Romney leicht im Vorteil, da er als Außenseiter antritt. Obamas Ruf als glänzender Redner – charmant, originell, klug und mitreißend – macht ihn zum klaren Favoriten. Das heißt aber auch, dass er klar überlegen sein muss, um knapp zu gewinnen. Um es erneut paradox auszudrücken: Romney reicht ein Patt, um zu siegen.

Regel Nummer zwei: Der Auftritt ist die Botschaft, Parolen sind wichtiger als Programme. Die Kandidaten sollten sich nicht in langatmigen Ausführungen verlieren, für die Zuschauer sind weniger die Inhalte entscheidend als vielmehr deren Präsentationen. Selbstbewusstsein, Mitgefühl, Fachkompetenz. Kann Romney Präsident? Der Kandidat der Republikaner wird nicht mehr nur länger durch Versäumnisse punkten können, die er Obama vorwirft, sondern er muss ein eigenes Profil entfalten, um den kleinen Rest an unentschiedenen Wählern, um die es überhaupt noch geht, zu überzeugen. Das wird nicht leicht.

Regel Nummer drei: Am Ende entscheidet der Spin – die Behauptung über den Sieg ist ein Teil des Sieges. Auf mehreren Fernsehkanälen wird das Duell anschließend seziert und bewertet. Oft ist es eher diese Bewertung als die Debatte selbst, die das endgültige Urteil des Publikums formt. Wer oft genug hört, dass Obama oder Romney gewonnen hat, ist sogar bereit, seinen eigenen Eindruck zu revidieren. Deshalb weichen oft Umfragen, die im direkten Anschluss an die Debatte gemacht werden, erheblich von jenen ab, die Tage später erhoben werden.

Insgesamt drei Debatten werden Obama und Romney absolvieren. Der ersten am 3. Oktober in Denver folgen die am 16. Oktober in Hempstead und am 22. Oktober in Boca Raton. Doch weil immer mehr Amerikaner in immer mehr Bundesstaaten von der frühen Briefwahl Gebrauch machen, dürfte bereits der 3. Oktober eine Art Schicksalstag sein.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar