Medien : Ustinovs Vater als Topagent gegen Hitler

Thomas Gehringer

Hitler stürzen und den Krieg verhindern, das wollten deutsche Militärs nicht erst 1944, sondern bereits 1938. Die Widerstandsgruppe um Admiral Canaris und Oberstleutnant Oster spielte den Briten während der Sudetenkrise Geheimpläne Hitlers zur Zerschlagung der Tschechoslowakei zu. Sie sollten die britische Regierung dazu bewegen, Deutschland mit einem militärischen Gegenschlag zu drohen. Mit der Unterstützung aus London wollten die Offiziere in Berlin den Putsch wagen. Ihre Kontaktperson in der britischen Hauptstadt war ein Topagent des Geheimdienstes MI5 mit dem Decknamen „Middelton-Peddelton“. Dahinter verbarg sich, wie eine ARD-Dokumentation jetzt enthüllt, Jona Ustinov, der Vater des vor einem Jahr verstorbenen Sir Peter.

„Das Geheimnis der Ustinovs“ kannte Sir Peter selbst freilich nur vage. Als Jugendlicher sah er zwar das Kommen und Gehen im Haus der Eltern in Redcliffe Gardens und hörte nachts die Schreibmaschine klappern. Doch geredet wurde nicht über die seltsamen Besucher, auch nach dem Krieg nicht. „Ich ahnte es die ganzen Jahre. Das Tabu diente meinem Schutz“, sagte Ustinov, als die Autoren Bernd und Jenny Schütze dem vielseitigen Künstler und humorvollen Europäer die Ergebnisse ihrer Recherchen vorstellten. Zu einem Interview kam es nicht mehr. Dennoch fügt die Doku der abenteuerlichen Familiengeschichte der Ustinovs einen weiteren Mosaikstein hinzu. Jona Ustinov, genannt „Klop“, war in Jerusalem als Sohn eines Russen und einer Äthiopierin geboren, kämpfte im Ersten Weltkrieg auf deutscher Seite und arbeitete zu Beginn der 30er Jahre als Presseattaché in der deutschen Botschaft in London. Als er den „Arier-Nachweis“ liefern sollte, warf er den deutschen Pass und das Eiserne Kreuz in den Mülleimer, wurde britischer Staatsbürger und kurz darauf MI5- Agent. Der Geheimdienst gab sich nicht sehr mitteilsam, so musste das Autorenpaar in einer spannenden Puzzlearbeit das Bild vom Hitler-Gegner Ustinov mühsam zusammenfügen.

„Das Geheimnis der Ustinovs“: ARD, 22 Uhr 55

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