Verbraucher-TV : Strafarbeit für Ikea?

Das schwedische Möbelhaus kommt im WDR-„Markencheck“ nicht gut weg. Wobei auch an der Sendung Kritik berechtigt erscheint.

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Die bittere Wahrheit ist: Heutzutage muss ein Mann nicht nur ein Haus bauen, ein Kind zeugen und einen Apfelbaum pflanzen. Sondern auch einmal im Leben ein Ikea-Regal aufbauen. Durch 46 Ikea-Filialen in Deutschland schlendern jährlich rund 100 Millionen Menschen. „Du kommst halt in eine Wohnung, und jeder hat das Gleiche“, sagt eine auf der Straße befragte Frau im „Markencheck“ des WDR. Seit dem Dreißigjährigen Krieg hat kein Schwede mehr die Wohnkultur in Deutschland derart beeinflusst wie Ikea-Gründer Ingvar Kamprad. Immerhin ging er friedlicher vor.

Mit dem „unmöglichen Möbelhaus“, so die ehemalige Ikea-Eigenwerbung, eröffnet der WDR seine vierteilige „Markencheck“-Reihe, in der noch Ferrero, Aral und Aldi unter die Lupe genommen werden sollen. Bereits im Januar hatte der Sender mit dem „Tchibo-Check“ das neue Format getestet und dabei unter anderem Kinderarbeit bei Zulieferern des Kaffee-Rösters nachgewiesen.

Natürlich geht es auch um ganz alltägliche Verbraucher-Fragen: Wie ist die Qualität der Produkte? Mit welchen Tricks verführen die Firmen ihre Kunden zum Kauf? Entstehen soll so ein möglichst umfassendes Marken-Urteil, während die einschlägigen Service-Magazine – von „Wiso“ im ZDF bis zu den „Ratgeber“-Sendungen im Ersten – meist nur einzelne Aspekte aufgreifen. Dieser interessante Ansatz ergibt aber nicht zwangsläufig einen guten Film. Der „Markencheck“ sieht leider so aus, als wollte der WDR beweisen, dass er genauso flott sein kann wie das Privatfernsehen. Passanten-Gespräche, ein kurzer Blick in verschiedene Wohnungen, ein Markensoziologe sagt drei Sätze, dann die Ikea-Sprecherin, schließlich werden ein Studenten-Paar und eine Mutter mit ihrer Tochter beim Ikea-Bummel beobachtet. Das kommentiert wiederum eine Unternehmensberaterin. Getestet wird auch fleißig, vor allem beim Tüv. Es steckt viel Aufwand dahinter, doch alles ist in dem immergleichen kurzatmigen Rhythmus hintereinandergeschnitten und mit Musik zugeklimpert. Schließlich kommt man zu nicht sehr überraschenden Urteilen: Das Kapitel „Verführung“ endet mit der Zusammenfassung „ist geschickt“. Ach was. Die „Qualität“ der Produkte halten die Autoren, trotz nur weniger Stichproben und eines leicht zerbrechenden Pfannengriffs, für „alles in allem ordentlich“.

Dafür hat es das letzte Kapitel in sich. Im Kapitel „Fairness“ kracht das freundliche Schweden-Image zusammen wie ein morsch gewordenes Billy-Regal. Dass Ikea auch in der DDR produzieren ließ, ist bekannt. Dass in den mindestens 65 Produktionsstätten der DDR auch Strafgefangene und politische Häftlinge eingesetzt wurden, weniger. Laut Stasi-Unterlagen hielt Kamprad dies für „durchaus im gesellschaftlichen Interesse“. Nach der Wende wurde ihm die Ex-DDR zu teuer. Auf der Suche nach Alternativen verfiel der Schwede auf Nordkorea. Wurde nichts draus. Aber aus Birma und Weißrussland. Thomas Gehringer

„Markencheck: Ikea“; WDR Fernsehen, 21 Uhr

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