Verbraucher-TV : Süßsaurer Verführer

Der ARD-„Markencheck“ nimmt Coca-Cola unter die Lupe. Und wird nicht nur beim Thema Zahnhygiene fündig.

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ARD-Markencheck: Auch wenn nicht überall "Coca Cola" groß drauf steht - der amerikanische Getränkemulti steckt hinter mehr Getränken als man denkt.
ARD-Markencheck: Auch wenn nicht überall "Coca Cola" groß drauf steht - der amerikanische Getränkemulti steckt hinter mehr...Foto: WDR

„Es schmeckt einfach gut. Ich weiß nicht, warum“, sagt die Sechstklässlerin über Coca-Cola. Leider wird sie dies auch heute Abend nicht erfahren, wenn die ARD eine weitere dreiteilige Staffel der beliebten „Markencheck“-Reihe auflegt und mit dem milliardenschweren Getränke-Riesen beginnt. Erwartungsgemäß bleibt das geheime Rezept geheim. Das Kamerateam darf zwar einen Blick in den „Sirupraum“ des Werks in Weimar werfen, aber die letzte Tür bleibt zu. Und angeblich niemand im Werk weiß, was dahinter geschieht. Endet dort etwa eine Standleitung aus der Zentrale in Atlanta/USA?
Andere Bilder sind weniger geheimnisvoll, sondern abschreckend. Die Zahnoberfläche sieht unterm Elektronenmikroskop nach Coca-Cola-Behandlung geradezu verwüstet aus. Nicht wegen der 106 Gramm Zucker pro Liter, sondern weil der mehr als 100 Jahre alte Klassiker fast soviel Säure wie Essig enthält, wie eine Analyse der Uni Gießen ergeben hat. Der Rat des Experten lautet: Besser vor statt nach dem Cola-Trinken Zähne putzen, damit sich eine Schutzschicht bildet.
Auch die ausgetrockneten Böden im indischen Kala Dera, wo Coca-Cola trotz immer wieder auftretender Dürren ein Werk errichtet hat, wirken irritierend. Lobenswert, dass sich dieses Format nicht nur mit Blindverkostung in Fußgängerzonen und Labor-Analysen begnügt, sondern auch auf die Verhältnisse in weniger wohlhabenden Gegenden des – bis auf Kuba, Nordkorea und Birma – von Coca-Cola komplett eroberten Planeten blickt. Der Wasserverbrauch bei der Produktion ist eines der kritischen Themen, aber letztlich kann der Film nicht klären, wie groß die Verantwortung des Konzerns für den seit Jahren sinkenden Grundwasserspiegel und die wachsende Not der Bauern in Kala Dera ist. „Wir geben mehr Wasser zurück als wir entnehmen“, behauptet ein indischer Coca-Cola-Vertreter. Bilder von einem einzelnen ausgetrockneten Brunnen und einem verrosteten Schild vor einer offenbar nutzlosen Wasserrückgewinnungsfläche belegen noch nicht das Gegenteil.
Wirklich investigativ ist dieses Format also nur bedingt, und die verschiedenen Test-Ergebnisse sind auch nicht sehr überraschend, doch der Marken-Check ist flott geschnitten und es sind auffallend viele junge Leute im Bild. Das Ergebnis: Mit der ersten Staffel zu Jahresbeginn hat die ARD im Ersten Programm soviel junges Publikum wie selten für sich gewinnen können. Die Marktanteile bei den 14- bis 49-Jährigen lagen bei erstaunlichen 17,0 (Lidl), 16,7 (McDonald's) und 15,4 (H&M) Prozent. Vermutlich profitiert der Sender dabei selbst von den starken Marken. Für Coca-Cola dürfte das erst recht gelten. Wie ein aufwändiger Versuch an der Berliner Charité beweist, ist der für Emotionen zuständige Gehirn-Teil namens Amygdala, wenn das Coca-Cola-Emblem eingeblendet wird, schwer aus dem Häuschen. Und den Probanden schmeckte es, obwohl sie immer dasselbe Getränk verabreicht bekamen, besonders gut. Thomas Gehringer
„Der Coca-Cola-Check“; ARD, 20 Uhr 15

Es folgen noch „Der dm-Check“ (14. Januar) und „Der adidas-Check“ (21. Januar).

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