Vergleich : Warum Thomas Gottschalk nie Bundespräsident werden wird

13.02.2012 12:14 UhrVon Mike Kleiß
Fernsehmoderator Thomas Gottschalk. Foto: dpa
Fernsehmoderator Thomas Gottschalk. - Foto: dpa

Eitelkeit, Selbstüberschätzung, die Demontage der eigenen „Marke Mensch“. Es gibt Parallelen zwischen Wulff und Gottschalk, sagt Mike Kleiß, Medien- und Markenexperte.

Zurückgelehnt im Ohrensessel, bei einer Kanne Kaffee und Status Quo auf dem Kopfhörer, ist es Thomas Gottschalk schon zuzumuten, dass er -ganz für sich alleine- denkt: „ach, den Wulff, den könnt ich doch eigentlich auch und vielleicht sogar viel besser geben!“. Das Alter hätte er, die Reife bestimmt auch. Seine Frau Thea wäre eine schöne und stilvolle First Lady, man ist auf Du und Du mit den Stars. Im Hause Gottschalk ist man das wirklich! Und muss sich die Starfreunde nicht kaufen. Man ruft sie, und sie sind einfach da! Und die Gottschalk-Starfreunde, die sind wirkliche Stars! Da gibt man sich nicht mit einer Vroni Ferres ab, da muss es schon Nicolas Cage sein, Daniel Craig oder wenigstens Heidi Klum.

Die hat Gottschalk ja auch entdeckt! Nur er! Weil er das kann! Nur er kann das!

Aber: Thomas Gottschalk wird Christian Wulff nicht beerben. Und dafür gibt es einen triftigen Grund: sie sind sich einfach zu ähnlich! Viel zu ähnlich. Und zwei von der Sorte, das wäre zu viel für Deutschland! Beide sind gerade auf dem besten Weg, wichtige Marken zu zerstören, starke Marken. Wulff die „Marke Bundespräsident“, Thomas die „Marke Gottschalk“. Bei beiden hat man dieses üble Ziehen in der Magengegend, beinahe jeden Tag. Täglich erscheinen Meldungen, die eine besondere Art des Fremdschämens erzeugen. Wulff nutze Firmenhandy von Unternehmer Groenewold, Gottschalk redet wirres Zeug und begrüßt Anke Engelke als Annette Engelke, man duckt sich instinktiv weg, weil man das alles kaum noch recht ertragen kann.

Die Karriere von Thomas Gottschalk bei "Wetten, dass..." in Bildern:

All das hätte irgendwie ja noch einen gewissen Unterhaltungswert, wenn das den Steuer- und/oder Gebührenzahler nicht so unglaublich viel Geld kosten würde. Selbst wenn Christian Wulff ein Einsehen hätte und seinen Hut nähme, wir alle würden ihm eine Rente von rund 200 000 Euro bezahlen. Thomas Gottschalk wurde von WDR Intendantin Monika Piel für ca. 6 Millionen Euro Honorar im Jahr gekauft, Produktionskosten der Sendung „Gottschalk Live“ noch nicht mit eingerechnet. Für einen echten Quotenbringer ein stattliches aber vielleicht zu rechtfertigendes Gehalt. Nicht aber für einen Thomas Gottschalk, der nach kurzer Zeit einen Quotenerdrutsch erlebte, seit Donnerstag unter einer Million Zuschauer sendet, bei einem unterirdischen Marktanteil von 3,4 Prozent.

Warum geschehen diese Abstürze?

Sowohl bei einem Bundespräsidenten, wie auch bei der Ikone der Deutschen Unterhaltung? Weil z.B. das 1x1 der Grundregeln nicht eingehalten wird. Für Wulff, und da dürften sich alle Experten einig sein sind diese: 1.) Ehrlichkeit 2.) Vertrauen 3.) Transparenz! Was aber ist das 1x1 für eine Sendung wie Gottschalk Live? Borris Brandt, ehemals Programmdirektor bei Pro7 und Chef bei der Produktionsfirma Endemol bringt es auf den Punkt: „Keine Sendung der Welt diesen Formates funktioniert ohne dieses 1x1, jedenfalls aus meiner Erfahrung: Regel 1 für die Vorabendshow : das Gefühl des Tages aufnehmen und transportieren, weil man dem Zuschauer das Gefühl vermitteln muss, zu Hause sein, nah dran zu sein. Regel 2 : kleine nachvollziehbare Geschichten erzählen. Nicht abgehoben, den Seher dort abholen, wo er ist.

Und seit neustem Regel 3 (gilt für die Gottschalk Live Redaktion): Mund aufmachen, wenn Gottschalk etwas durchsetzen will, was out of time und place ist. Weder sein Verhältnis zu Promis, noch seine Promis an sich sind nachvollziehbar, Tagesgefühl oder interessant....”

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