Medien : Verkommene Helden

3Sat-Dokumentation vermisst in Deutschland wahre Heroen

Matthias Lohre

Den Heroen geht es schlecht hierzulande. Zumindest sieht „Zeit TV“-Autor Markus Reher den deutschen Helden in der Krise, „da sich die Gesellschaft auf keine verbindlichen Werte mehr einigen kann, für die sich ein Held noch opfern könnte“.

In seiner Dokumentation „Helden heute“ stellt der Filmemacher verschiedene Auffassungen über den Charakter eines Helden einander gegenüber. Hier ein selbstloses Vorbild für die Allgemeinheit, dort die „Kurzzeit-Helden“, die „in der medialen Inszenierung rasch und lediglich zweckgebunden aufgebaut, anschließend aber ebenso rasant und dramatisch für den Betroffenen wieder vernichtet werden“. Die pubertären Projektionsflächen aus der Show „Deutschland sucht den Superstar“ im Kontrast zu einer Ärztin, die seit Jahren in ihrer Praxis Obdachlose behandelt. Irgendwo dazwischen stehen bundesrepublikanische Helden wie der zurückgetretene SPD-Vorsitzende Björn Engholm und der bei den Olympischen Spielen 1988 disqualifizierte Zehnkämpfer Jürgen Hingsen, die von ihren Erfahrungen nach dem Fall erzählen. Nur in einer relativ ruhigen gesellschaftlichen Phase, so legt der Film nahe, können Menschen wie sie für andere zum Sinnbild eines Heroen werden.

„Helden heute“: 20 Uhr 45, 3sat

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