Verlag : Diskret mächtig

Die Verlegerin Friede Springer wird 65. Nach dem Tode ihres Mannes Axel Springer hat sie das Verlagshaus erfolgreich durch die Klippen der Erbauseinandersetzungen gesteuert und die Unabhängigkeit des Unternehmens verteidigt.

Springer
Friede Springer siegt vor Gericht. -Foto: ddp

Frei von Turbulenzen waren die letzten Jahre im Haus Springer wahrhaftig nicht. Das Unternehmen hat ebenso den branchenbedingten Umstrukturierungsherausforderungen seinen Tribut entrichten müssen wie den Versuchungen eines TV-Einstiegs. Wenn es heute gut dasteht, ist das nicht zuletzt einer schmalen, blonden Frau zu verdanken, die zugleich die Mehrheitseigentümerin des größten europäischen Verlagshauses ist: Friede Springer. Dabei liegen ihre unternehmerischen Bewährungsproben schon etliche Jahre zurück. Sie hat das Haus erfolgreich durch die Klippen der Erbauseinandersetzungen nach dem Tode ihres Mannes Axel Springer gesteuert und die Unabhängigkeit des Unternehmens verteidigt, zumal gegen den Medien-Mogul Leo Kirch. Und so nachhaltig das Unternehmen Springer von dem legendären Nachkriegszeitungs-Tycoon geprägt ist, so sehr hat es heute auch ihr Gesicht.

Aber Friede Springer spielt die Rolle der mächtigen Verlagsfrau, die sie ist, mit einer Bescheidenheit und einem Charme, die den Härten des Verlagsgeschäfts zu spotten scheinen. Es heißt, mit guten Gründen, dass in dem großen Konzern nichts Wichtiges ohne sie geht, doch anmerken lässt sie sich davon nichts. Obwohl sie kein falsches Understatement markiert, verbreitet sie doch ein solches Fluidum von freundlicher Diskretion, dass nirgendwo, wo sie in der Öffentlichkeit auftritt – auch nicht im gesellschaftlichen Leben Berlins, dem sie sich keineswegs entzieht –, der Eindruck aufkommt, sie stehe im Mittelpunkt. Die Friesin von der Insel Föhr lebt das preußische „mehr sein als scheinen“ mit unprätentiöser Leichtigkeit vor. Und nie hat man den Eindruck, dass dabei Entsagung im Spiel sei.

Im Gegenteil: Friede Springer hat immer darauf bestanden, dass sie ihre Arbeit, mehr noch: ihre Existenz ganz in der Nachfolge ihres Mannes begreift und dass sie darin ihre Erfüllung findet. Das demonstriert sie, indem sie in seinem Büro im Springer-Hochhaus residiert, mit dem Kult der Erinnerung an ihn, und selbst in der Wahl von Mathias Döpfner – schlank, jungenhaft, ein Springer-Typus – als Vorstandsvorsitzenden wird man einen Reflex davon sehen können. Man kann das alles für ein anrührendes Zeichen von Hingabe nehmen. Aber auch als den Ausdruck des Entschlusses, sich mit Haut und Haar in die Verantwortung für ein Lebenswerk zu begeben.

In dem Leben dieser Frau steckt ja auch eine Geschichte, die wie ein Märchen anmutet. Eine junge Kindergärtnerin nimmt eine Stelle im Haus eines Großverlegers an, der in Liebe zu ihr entbrennt und sie schließlich heiratet. Ein Hauch des Pygmalion-Motivs ist auch dabei, denn Springer hat die Gärtnerstochter systematisch geformt. Nur hieße es, Friede Springer zu verkennen, begriffe man nicht, dass sie in den mehr als zwanzig Jahren seit seinem Tod längst eine Gestalt eigenen Formats geworden ist. Auf ihre liebenswürdige, alterslose Weise wird sie, als Erscheinung noch immer mädchenhaft, an diesem Mittwoch 65 Jahre alt. (Rdh.)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben