Verlag : Im Strahlenkreuz

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne: Ein untypisches Suhrkamp-Porträt

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Suhrkamp ist nicht jedem ein Begriff. „Wissen Sie, für wen Sie das hier herrichten“, fragt Thomas Grimm in seinem Film über den Suhrkamp Verlag drei Maler, die gerade Mittagspause machen und die „B.Z.“ studieren. „Nee“, antworten sie: „Muss man das wissen?“ Mehr als ein „Ach so“ entfährt ihnen nicht, als sie hören, für wen sie die Räume im ehemaligen Finanzamt in der Berliner Pappelallee streichen, sie wollen es nicht wirklich wissen.

Diese lustige Szene ist eine von vielen, die nicht gerade typisch sind für ein Verlagsporträt klassischen Zuschnitts. Grimm zeigt ganz konkret einen „Verlag im Umbruch“. Sein Film ist eine Art Umzugsreport, nachdem Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz 2009 beschlossen hatte, den Standort des Traditionsverlags von Frankfurt nach Berlin zu verlegen.

Grimm ist also dabei, als die Mitarbeiter eine Führung durch Berlin bekommen; er zeigt, wie Petra Hardt, die Chefin der Lizenzabteilung, ein letztes Mal in den Garten ihres Hauses in Frankfurt blickt. Und er lässt Umzugsleiter und Regalaufsteller zu Wort kommen und liefert wertvolle Umzugsinformationen, etwa, dass 8613 Kisten gepackt worden sind.

Natürlich kommen auch Autoren, die Verlegerin und ihr Stiefsohn zu Wort, erzählt der Film die Geschichte des Verlags. Vor allem aber liefert er schöne Innenansichten, mit Hauptfiguren wie der Chefsekretärin Susanne Becker oder Petra Hardt. Die Stärke von Grimms Film besteht darin, dass er zeigt, was der Umzug gerade für die Mitarbeiter bedeutet. Und wenn Hanser-Chef Michael Krüger sagt, wie gut Suhrkamp „beraten“ sei, „sich ins Strahlenkreuz“ des intellektuellen Zentrums der Republik zu begeben, hat das seine ganz eigene Note. Der Hanser Verlag residiert erfolgreich in München und verschwendet keinen Gedanken an einen Umzug. Am Ende bringt es die 83-jährige Mutter von Petra Hardt auf den Punkt. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, sagt sie und wünscht ihrer Tochter und dem Verlag vor allem eins: „Immer gute Umsätze“. gbar

„Suhrkamp – Ein Verlag im Umbruch“, RBB, 22 Uhr 45

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