Verlage : Neuer Streit um die "Süddeutsche Zeitung“

Im Oktober geht der Verkauf des "Süddeutschen Verlages" und der "Süddeutschen Zeitung" in eine weitere Runde, dann erscheinen die zerstrittenen Gesellschafter vor dem Münchner Landgericht. Wer hat künftig im Verlag das Sagen?

Sonja Pohlmann

Der Streit um den Verkauf des Süddeutschen Verlags (SV) und seines Aushängeschilds „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) geht in eine neue Runde: Am 23. Oktober treffen sich die zerstrittenen Gesellschafter vorm Münchner Landgericht. Kläger sind die Altgesellschafterfamilie um den Münchner Verleger Johannes Friedmann und die Südwestdeutsche Medien Holding (SWMH), die 18,5 Prozent der Verlagsanteile besitzt. Sie wollen sich dagegen wehren, dass ihnen seit Frühjahr wichtige Informationen aus dem SV vorenthalten werden, zum Beispiel Berichte über die Unternehmensentwicklung.

All das geschieht vor dem Hintergrund der Frage, wer künftig beim SV das Sagen hat. Denn die vier Altgesellschafterfamilien Goldschagg, Schwingenstein, Dürrmeier und von Seidlein wollen ihre Verlagsanteile von 62,5 Prozent verkaufen – für etwa eine Milliarde Euro. Zwar würde die SWMH gerne ihren bisherigen Anteil vergrößern, jedoch nicht zu dem Preis. So hatte sich die SWMH bei ihrem Einstieg 2002 ein Vorkaufsrecht gesichert und will jetzt verhindern, dass sie von Dritten überboten wird. Weil sich nicht nur große deutsche Verlage, sondern auch internationale Finanzinvestoren für den Verlag interessieren, sorgt sich die fünfte Altgesellschafterfamilie Friedmann um den künftigen Ruf des Blattes. An einen nur auf Profit bedachten Investor will Friedmann nicht verkaufen. Zwischen den vier verkaufswilligen Familien und der SWMH sowie den Friedmanns auf der anderen Seite hat sich eine Front gebildet, die sich durch die neue Klage verhärtet.

Die Geschäftsführung hält im Auftrag der vier verkaufswilligen Gesellschafter- Familien Informationen zurück. Sie wollen verhindern, dass sensible Geschäftsdaten an Eigentümer weitergegeben werden, die potenzielle Konkurrenten seien. Während sich die Familien aus dem Verlagsgeschäft zurückgezogen haben, ist die SWMH mit der „Stuttgarter Zeitung“ in der Branche ebenso aktiv wie die Familie Friedmann, die in München die „Abendzeitung“ verlegt. Johannes Friedmann würde laut SV-Aufsichtsratsvorsitzendem Bernhard Heiss Informationen bekommen, wenn er eine Geheimhaltungsverpflichtung unterschreibt, doch das will Friedmann nicht. Seine Familie ist mit der „SZ“ seit ihrem Bestehen eng verwoben, Vater Werner Friedmann war Chefredakteur und Lizenzträger der „SZ“. Es habe nie einen Vertrauensbruch zwischen ihm und dem SV gegeben. Allerdings könnte die Informationssperre auch eine Retourkutsche auf eine Klage vom April sein. Damals hatten die vier Altgesellschafter eine Due Diligence, eine Art Buchprüfung, gegen den Willen von Friedmann und SWMH durchgesetzt, um den Wert des Verlags zu ermitteln. Diese Prüfung geht jetzt in die Endphase. Die mit dem Verkauf beauftragte Bank Credit Suisse First Boston hat erste Informationen mit Eckdaten des Verlags an etwa 30 Interessenten geschickt, darunter an die Holtzbrinck-Gruppe (zu der auch der Tagesspiegel gehört). Bis zum 31. August müssen die potenziellen Käufer offiziell ihr Interesse bekunden und beispielsweise offen legen, wie sie künftig die Unabhängigkeit der „SZ“ sichern wollen. Anschließend sollen konkrete Gespräche aufgenommen werden. Von neuen Streitereien werden sich Interessenten kaum abschrecken lassen – dazu ist die „SZ“ zu sehr ein Objekt der Begierde.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben