Verlage : Verkauf der "Süddeutschen“ auf 2008 vertagt

Zwar ist der Verkauf der "Süddeutschen Zeitung" auf das nächste Jahr verschoben worden, doch hat sich der Kreis der Bewerber inzwischen verkleinert.

Sonja Pohlmann

BerlinEigentlich sollte der Süddeutsche Verlag (SV) mit seinem Flagschiff „Süddeutsche Zeitung“ noch vor Jahresende seinen Besitzer wechseln. Doch jetzt steht fest: Die Verkaufsverhandlungen ziehen sich bis ins neue Jahr hinein, Detailfragen um Zusicherungen von Seiten der potenziellen Käufer lassen den Prozess auf den letzten Metern zäh werden.

Allerdings hat sich der Kreis der Bewerber um den SV in den vergangenen Tagen verkleinert, die Essener WAZ-Mediengruppe rechnet sich kaum noch Chancen aus. Unter den Bewerbern sind nach Brancheninformationen die Verlagsgruppe Holtzbrinck (Tagesspiegel, „Zeit“), der Kölner Verlag M. DuMont Schauberg („Kölner Stadt-Anzeiger“, „Frankfurter Rundschau“), die beiden Investorengruppen Apax und Veronis Suhler Stevenson sowie das Bankhaus Goldman Sachs mit Verleger Dieter von Holtzbrinck. Sie alle wollen die Anteile der vier verkaufswilligen Altgesellschafterfamilien übernehmen, die zusammen insgesamt 62, 5 Prozent am SV besitzen. Etwa eine Milliarde Euro soll der Preis betragen.

Seit November sind die Familien damit beschäftigt, aus dem Kreis der potenziellen Käufer einen Bewerber auszusuchen, der gegen die Südwestdeutsche Medien Holding („Stuttgarter Zeitung“, „Stuttgarter Nachrichten“) antritt. Die SWMH, die bereits 18,75 Prozent an der „Süddeutschen“ hält, hat ein sogenanntes Vorkaufsrecht. Bietet sie den gleichen Preis wie ein externer Kandidat, erhält sie den Zuschlag. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Stuttgarter Verlagsgruppe die Übernahme des SV zur Genehmigung beim Bundeskartellamt vorgelegt – ein normaler Vorgang, um im Vorfeld wettbewerbsrechtliche Hürden auszuloten. Doch die vier verkaufswilligen Altgesellschafterfamilien hatten darin ein erneutes Störmanöver von Seiten der SWMH gesehen. Dass sich der Verkaufsprozess so emotional gestaltet und bis ins nächste Jahr hinein verlängert, verdeutlicht, wie schwer es den Gesellschaftern fällt, sich auf einen neuen Eigentümer zu verständigen.

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