Verlagsbeteiligung : Lachs an der Angel

Eigentlich sind rot und rosa zwei Farben, die nicht gut zusammenpassen. Doch jetzt scheinen zwei deutsche Verlagshäuser diese Farbenlehre außer Kraft setzen zu wollen.

Tim Klimeš/Sonja Pohlmann
Spiegel
Bald zusammen? Noch kommen "Spiegel" und "FTD" aus zwei Häusern. -Foto: Tsp

Laut Branchenkreisen will sich der Spiegel-Verlag an der deutschen Wirtschaftszeitung „Financial Times Deutschland“ (FTD) beteiligen. Die Verträge sollen bereits unterschriftsreif sein, lediglich die Mitarbeiter-KG des „Spiegel“ müsse noch zustimmen – damit würde der Hamburger Verlag erstmalig in seiner Geschichte den Schritt ins Tageszeitungsgeschäft wagen. Allerdings wollten sich weder der „Spiegel“ noch die „FTD“ zu möglichen Verhandlungen äußern.

Grund für die Spekulationen ist das Gerücht, dass der britische Medienkonzern Pearson seinen 50-Prozent-Anteil an der „FTD“ verkaufen will. 2000, auf dem Höhepunkt des Börsenbooms, hatte Pearson den deutschen Ableger seiner britischen Mutterzeitung „Financial Times“ aus der Taufe gehoben. Gemeinsam mit dem Hamburger Verlagshaus Gruner und Jahr („Stern“, „Brigitte“, „Geo“), das über die anderen 50 Prozent der Anteile verfügt, sollte eine Konkurrenz zum „Handelsblatt“ geschaffen werden. Zwar steigerte die „FTD“ zuletzt ihre verkaufte Auflage auf 103 284 Exemplare (IVW, 2. Quartal 2007), doch aus den roten Zahlen ist das lachsfarbene Wirtschaftsblatt nie herausgekommen. Pearson wollte einen möglichen Rückzug aus dem deutschen Verlagsgeschäft nicht kommentieren.

In den Redaktionen der „FTD“ ist die Nachricht des möglichen Verkaufs gestern eher positiv aufgenommen worden, heißt es aus Mitarbeiterkreisen. Grund dafür könnten die Marketingvorteile sein, die sich nach einem Kauf durch den Spiegel-Verlag für die „FTD“ ergeben würden.

Für viele Branchenkenner wäre der mögliche Ausstieg von Pearson keine Überraschung. Auch weil sich die Mediengruppe, die vor allem mit ihrer Bildungssparte „Pearson Education“ Gewinne einfährt, in der Vergangenheit mehr und mehr aus dem Zeitungsmarkt zurückgezogen hatte. Zuletzt hatte der Konzern im Juli 2007 die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“ abgestoßen. Auch Gruner und Jahr (G+J) schien sich in den vergangenen Jahren aus dem deutschen Zeitungsmarkt zurückziehen und auf seine Zeitschriften konzentrieren zu wollen. 2002 verkauften die Hamburger den Berliner Verlag („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“), den sie 1992 übernommen hatten. Heute beschränken sich die Zeitungsbeteiligungen von G+J auf einen 60-prozentigen Anteil am Dresdner Druck- und Verlagshaus, das die „Sächsische Zeitung“ und die „Dresdner Morgenpost“ herausgibt. Und auf die „FTD“. Doch von der verlustreichen Zeitung scheint sich G+J nicht trennen zu wollen – indirekt würde der Verlag seinen Anteil bei einem Kauf durch den „Spiegel“ sogar vergrößern. G+J ist am Spiegel-Verlag mit 25,5 Prozent beteiligt.

Von der täglichen Wirtschaftszeitung könnten die zukünftigen Gesellschafter beide profitieren. Sowohl G+J als auch der Spiegel-Verlag geben Wirtschaftsmagazine heraus, die eher magere Verkaufszahlen erreichen. So verkaufte das G+J-Magazin „Capital“ im Boomjahr 2000 noch rund 300 000 Exemplare (1. Quartal) pro Monat, die Erscheinungsweise wurde von monatlich auf 14-täglich umgestellt. Nach einem Auflagenrückgang von knapp 100 000 Exemplaren (2. Quartal 2007) wurde kürzlich spekuliert, ob „Capital“ wieder auf die monatliche Erscheinungsweise zurückgestellt wird. G+J dementierte. Auch das „Manager Magazin“ des Spiegel-Verlags kämpft mit stagnierenden Verkaufszahlen. Das Wirtschaftsmagazin verkauft knapp 130 000 Exemplare im Monat (2. Quartal 2007). Die zusätzlichen Kompetenzen der „FTD“ kämen deshalb nicht ungelegen. Neben einem erweiterten Verlagssortiment und den ebenfalls zu erwartenden Synergieeffekten könnte auch „Spiegel“-Geschäftsführer Mario Frank selbst profitieren – durch die Schärfung seines Profils als Verlagschef. Frank ist seit 1. Januar 2007 im Amt.

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