Verlagswesen : Modell Seilschaft: G + J spart

Auch Gruner + Jahr mit Marken wie "Brigitte", "Stern" und "Geo" hat 2008 die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen. G + J setzt seit dem zweiten Halbjahr 2008 der Einbruch der Anzeigenmärkte zu.

Simone Schellhammer

In seiner ersten Jahrespressekonferenz als Vorstandsvorsitzender von Gruner und Jahr (G + J) hatte Bernd Buchholz für das vergangene Jahr das Bild der Bergtour gewählt: „Als wir ahnten, welches Ausmaß das Unwetter annehmen würde, haben wir frühzeitig auch Dinge aufgeben müssen, haben einige besonders gefährdete Teilnehmer unserer Gruppe enger miteinander verbunden und mussten zum Jahresende noch ein ordentliches Stück Seil nachgeben.“ Damit meinte er wohl den Rückgang des operativen Ergebnisses um knapp 15 Prozent auf 225 Millionen Euro vor Steuern, die Zusammenlegung der Wirtschaftstitel „Capital“, „Impulse“, „Börse online“ und „Financial Times Deutschland“ (FTD) und die Investitionen von 138 Millionen Euro. Bei der „FTD“ werde der Break even, anders als gedacht, dieses Jahr sicher nicht erreicht. Die Anzeigenkrise schlage vor allem bei Wirtschafts- und Autotiteln zu, sagte Buchholz, der 2009 zusammen mit seinen Vorstandskollegen auf sämtliche Tantiemen und Bonuszahlungen verzichten will, was rund 50 Prozent der Bezüge ausmachen dürfte. Damit folgt er dem Beispiel des Mutterkonzerns Bertelsmann.

Gespart werden soll weiter an allen Ecken und Enden. Über das Einsparpotenzial durch die Kündigung der 110 Beschäftigten bei den Wirtschaftstiteln in Köln und München, hatte Buchholz bereits an anderer Stelle von einem „signifikanten siebenstelligen Betrag“ gesprochen. Die gleichzeitig in Hamburg entstandene Wirtschaftsredaktion mit 250 Mitarbeitern bezeichnete er als „starke Seilschaft“ und „zukunftsträchtiges Modell“. Die Anzahl der Mitarbeiter in Deutschland liege derzeit bei 8000, sagte Finanzvorstand Achim Twardy. An der Strategie des Hauses G + J soll sich nicht viel ändern. Man setze weiter, sagte Buchholz, auf Qualitätsjournalismus, den Ausbau starker Marken wie „Stern“, „Geo“ oder „Eltern“ und den Ausbau neuer Online-Business-Modelle. Eine Prognose für 2009 wollte er nicht geben. Er rechne mit einem Anzeigenrückgang im zweistelligen Prozentbereich. 

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