Verlagswesen : Sind Augstein und "Freitag" bald Partner?

Anfang der Woche kursierte eine eigentümliche Pressemitteilung. In der hieß es, der Journalist Jakob Augstein kaufe für 650.000 Euro den Verlag der linken Berliner Wochenzeitung "Freitag“. Was ist dran?

Christian Meier
Augstein
Jakob Augstein -Foto: laif

Ein solcher Kauf schien insofern plausibel, als dass Augstein an einem Konzept für ein Medienprojekt arbeitet. Als Pressekontakt wurde Augsteins 50 Kanonen Verlagsgesellschaft genannt. Auf Nachfrage dementierte Augstein, eine Mitteilung solchen Inhalts verfasst zu haben. Über die Urheberschaft der Meldung rätselt auch der Berliner Arzt Wilhelm Brüggen. Der Psychiater ist einer von insgesamt sechs Gesellschaftern, die den „Freitag“, 1990 hervorgegangen aus der westdeutschen „Volkszeitung“ und dem „ostdeutschen „Sonntag“, 1995 vor der drohenden Einstellung durch den bisherigen Eigentümer, den Verlag Elefantenpress, retteten. Der Verlag, sagte Brüggen, stehe nicht unter ökonomischem Druck. Die finanzielle Lage sei „stabil“ wie auch die Auflage von aktuell 12 744 verkauften Exemplaren.

„Andererseits“ sei es aber auch so, sagte Brüggen: „Wir denken schon länger darüber nach, wie wir einen Schritt nach vorne gehen können.“ Die Zeitung, zu deren Herausgebern der legendäre Publizist und Politiker Günter Gaus zählte, brauche neue Leser und damit eine bessere Verbreitung. Das koste Geld, und darum diskutiere man „verschiedenste Modelle“, wie neues Kapital zu bekommen sei. Gespräche mit Interessenten würden geführt, doch noch sei „alles in der Schwebe“. Ob auch mit Augstein verhandelt werde, wollte Brüggen nicht sagen. Nach Informationen des Tagesspiegels besteht aber ein Kontakt zwischen den „Freitag“-Verlegern und Augstein.

Die Gesellschafter hätten den „Freitag“ nie als „gewinnorientiertes Projekt“ betrachtet, sagte Brüggen. Darum gebe es „zwei Essentials“, was die Zukunft der „Ost-West-Wochenzeitung“ beträfe: Die Redaktion müsse erhalten und die Identität des Blattes gesichert bleiben. Als Verleger habe man eine Verpflichtung: „Wir machen das doch nicht zwölf Jahre, nur um auf den letzten Metern alles hinzuwerfen.“

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