Medien : Verliebt, verlobt – verraten

„Eine Liebe in Afrika“: Ein Melodram will das Thema Aids an die Zuschauer bringen

Thilo Wydra

Sie kommen da unten an, in dieser so ganz anderen Welt, und wollen eigentlich den 70. Geburtstag seines Vaters feiern. Ja, und sie wollen ihre Verlobung bekannt geben: Stefan (Bernhard Schir) und Miriam (Julia Stemberger).

Stefan war schon zehn Jahre nicht mehr in seiner südafrikanischen Heimat. Sein Vater Bernhard (Hans-Michael Rehberg) lebt noch immer dort, auf dem Landsitz, mit seiner Lebensgefährtin Denise (Hannelore Elsner), die den Platz von Stefans Mutter eingenommen hat. Und wie das manchmal im Leben so ist, kommen die Dinge schicksalhaft zusammen: Der runde Geburtstag des Vaters, die Verlobung, Stefans urplötzlicher Entschluss, in Südafrika zu bleiben, Miriams wachsende Unsicherheit im neuen fremden Land – und diese Blicke auf der Familienfeier, diese Blicke zwischen ihr und Jo (Heiner Lauterbach).

Es sind jene Blicke, die einem von Anfang an verraten, dass diese zwei zueinander finden werden. Dabei ist Jo anglikanischer Bischof und Miriam frisch verlobt. Jo ist in der Gegend für seinen engagierten Kampf gegen HIV bekannt und beliebt, er ist Stefans ältester Freund.

Es ist ein bisschen ein Tabu, das hier thematisiert wird. Das erfordert Mut und Risikobereitschaft. Denn das Ganze soll ja auch noch ein Publikum erreichen, Quote bringen. Und so ist der neue ARD-Zweiteiler „Eine Liebe in Afrika“ (heute und am Freitag, 20 Uhr 15), übrigens von der zu Recht vielgepriesenen Berliner teamWorx produziert, auch ein ambivalentes Unterfangen, eben eine Gratwanderung zwischen Qualitäts-Anspruch und Quote.

Denn die Macher des Films – Regisseur und Kameramann Xaver Schwarzenberger („Andreas Hofer“), Drehbuchautorin Gabriela Sperl („Ghettokids“) und Produzent Nico Hofmann („Der Tanz mit dem Teufel“) – sie haben ein Anliegen. Sie wollen mit dieser großformatigen Fernseh-Produktion aufmerksam machen auf die erschreckenden Missstände in Südafrika. Zum Beispiel auf die fünf Millionen HIV-Infizierten, die es allein dort gibt – Tendenz steigend. Nirgendwo auf der Welt gibt es derart viele Neuinfektionen wie in Südafrika, und die nun nachfolgenden Generationen werden dort wohl ohne Eltern aufwachsen. Die sterben an Aids.

Wie haben sie das nun umgesetzt? Das Team ging in die Townships, las sich also kein theoretisches Wissen aus sicherer Distanz an, sondern suchte die Nähe zur Realität dieser Menschen. Herausgekommen ist dennoch ein Film, der allzu gefällig, vorhersehbar ist. Ein Liebes-Melodram, vor netter Kulisse, mit netten Figuren und netten Dialogen.

Und das mag dann doch verwundern: So wichtig und dringend und aufreibend das ausgesuchte Hintergrund-Thema sein mag, so harmlos ist Schwarzenbergers Inszenierung geraten. Da wird keinerlei Risiko eingegangen, auch visuell nicht, der Film ist sehr konventionell fotografiert, eben für die Hauptsende-Zeit. Und neben den Hochglanz-Bildern ist es auch der Ton, oder besser: die seichte Musik (Nikolaus Glowna und Siggi Mueller), die hier ständig zum Einsatz kommt und jeglichen Rest von aufkeimender, zum Nachdenken anregender Sozialkritik oder ernstzunehmender Dramatik zukleistert.

Dabei haben Schwarzenberger und Hofmann doch Schauspieler für das Projekt gewinnen können, die nun wirklich für sich stehen: Ob die derzeit wohl herausragende „Unberührbare“, Hannelore Elsner, ob ein Heiner Lauterbach oder ein Hans-Michael Rehberg, ob Julia Stemberger oder auch Monica Bleibtreu.

Zweifelsohne: Das hehre Anliegen ist da, auch der redliche Versuch, es gefällig verpackt einem möglichst großen Publikum nahezubringen. Doch der Quotendruck schien schon während der Produktion latent im Hinterkopf zu sein – und verhinderte von vornherein, dass mehr dabei herauskommt. Bei einer „Liebe in Afrika“ ist das besonders schade und traurig – des Themas wegen.

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