Medien : Verlockende Weltmärkte

„The Guardian“ erweitert seine internationale Ausgabe

Matthias Lohre

Die weltweite Zweitverwertung von Artikeln in eigenständigen Ausgaben ist für die großen Zeitungen der Welt ein einträgliches und vor allem imageträchtiges Geschäft. Zum Wochenbeginn hat nun die Tageszeitung „Guardian“, die sich auf ihrem Heimatmarkt Großbritannien mit 412 000 verkauften Exemplaren gegen „Daily Telegraph“, „Independent“, „Times“ und „Financial Times“ behauptet, ihre Europa-Ausgabe zur „International Edition“ umgebaut. Mit der „ständigen Expansion“ begründet das linksliberale Zeitungshaus die Erweiterung des Seitenumfangs auf nun 32 statt 24 Seiten. Die heute erstmals erscheinende Sonnabendausgabe verdoppelt ihren Umfang gar auf 48 Seiten. Gleichzeitig wurde das Blatt um durchschnittlich 60 Cent teurer und kostet nun werktags 2 Euro 80, sonnabends 3 Euro 50. Inhaltlich soll sich die internationale Ausgabe des „Guardian“ mit aktuell rund 37 500 verkauften Exemplaren stärker am britischen Mutterblatt orientieren, das heißt: mehr Nachrichten und politische Analysen, zusätzliche Sport- und Wirtschaftsseiten und zudem eine 32 Seiten starke Literatur- und Reise-Beilage am Wochenende. Die zusätzlichen Kosten für die überarbeitete Ausgabe will der „Guardian“ durch den höheren Verkaufspreis und die Erlöse der international ausgerichteten Anzeigen decken. Entsprechend werden „keine Stellenanzeigen erscheinen, die eher für den nationalen Markt von Bedeutung sind“.

Nicht nur der „Guardian“ hat ein Auge auf den Markt weltweit vertriebener Tageszeitungen geworfen. Erst vor einem halben Jahr drängte die „New York Times“ die „Washington Post“ aus der seit 35 Jahren gemeinsam betriebenen „International Herald Tribune“ heraus. Obwohl die „Herald Tribune“ in den vergangenen Jahren Verluste eingefahren hat, ist das Ansehen der in 180 Ländern erscheinenden Tageszeitung unverändert hoch. Um Kosten zu sparen, organisiert die „New York Times“ den Anzeigenverkauf für die „Herald Tribune“ jetzt selbst. Die „Washington Post“ ist auch nach dem Ausstieg bei der „International Herald Tribune“ auf dem attraktiven Markt der weltweiten Zweitverwertung aktiv. Gemeinsam mit dem „Guardian“, dem „Observer“ und „Le Monde“ veröffentlicht sie den „Guardian Weekly“.

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