Medien : "Verlorene Kinder": ARD verschiebt Film von Norbert Kückelmann auf einen Nachttermin

Joachim Huber

"Im Herbst fangen die Abende früher an. Da sitzen mehr Leute vor dem Fernsehgerät." Was Barbara Feiereis von der WDR-Pressestelle auf Anfrage mitteilt, ist ein Zitat. Sie zitiert Winfried Bonk, beim WDR verantwortlich für Fernsehspiel und Unterhaltung. Die Anfrage betraf die Verschiebung des Fernsehfilms "Verlorene Kinder" von Norbert Kückelmann auf den 12. Oktober um 23 Uhr im ARD-Programm. Vor bald einem Jahr gedreht, sucht das Werk seinen Sendetermin. Vom WDR kam, so berichtet Barbara Feiereis, "der Vorschlag 20 Uhr 15 im Frühjahr oder Sommer". Film plus Vorschlag kamen in die Preview-Truppe der ARD, heraus kam ein Nein für 20 Uhr 15. Feiereis sagt, "es hätten sehr viele fertige Stücke konkurriert".

Norbert Kückelmann befasst sich mit Problemen in der Gesellschaft: "Morgen in Alabama", "Porträt eines Richters". Seine jüngste Produktion spielt in einer Kleinstadt, Jugendliche sind gewalttätig, einzelne rechtsradikal. Sie schlagen Obdachlose halbtot, Prozess, Haftstrafen zur Bewährung. Die Erwachsenen akzeptieren die milden Strafen nicht und werden gewalttätig. "Die scheinbare Unerklärlichkeit dieser Art von Aggression, was ist mit den Kindern los, was ist mit einer Bürgerschaft los, die damit nicht fertig, dem versuche ich durch ein filmisches Drama auf den Grund zu gehen", sagt Kückelmann. Wer seine Filme kennt, der weiß um ihre Moral. Dies und das Thema kollidieren mit den Erfolgskriterien eines 20-Uhr-15-Termins in der ARD. Es regiert die Furcht, dass ein Film wie "Verlorene Kinder" die Marktführerschaft der ARD verhindere. Dann lieber verschieben.

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