Veronica-Ferres-Film : Lass das Jadewasser ein

Was für ein Genuss: Veronica Ferres gleitet in einem Degeto-Film durchs Gewirr von Hongkong.

Nikolaus von Festenberg
Veronica Ferres und Russel Wong. Foto: ARD Degeto/Thomas Kost
Veronica Ferres und Russel Wong.Foto: ARD Degeto/Thomas Kost

Sie hatte ihr Blondhaar unter einer Perücke verstaut. Wie ein gerupftes Huhn tastete sie sich durch die Rolle der „Polizeiseelsorgerin Lena Fauch“. Als müsste die Schauspielerin Veronica Ferres für ihr Aussehen, ihre Rollen und ihren Promistatus büßen. Der ewige deutsche Zuschauerprotestant wird sonst ungehalten. Das war vor nicht mal zwei Monaten. Genützt hatte es dem Star wenig. „Der Film gibt sich Mühe, sehr viel Mühe“, hieß es kritisch und Ferres wirke, als habe sie die Regieanweisung „maximale Starre“ erhalten und gehorsam befolgt.

Die in Solingen geborene Tochter eines Kartoffelhändlers hat in Film und Fernsehen viel gespielt und viel eingesteckt. Seriöse Kritik und Internetbeschimpfung sind sich zu oft einig: Die Frau nervt. Der Christian-Wulf-Komplex, in dem der Ferres-Ehemann Carsten Maschmeyer eine Rolle spielt, die ungeschickte Selbsterhöhung als Expertin für Zwangsadoption („Die Frau vom Checkpoint Charly“) und als Großkritikerin türkischen Justizirrsinns („Marco W.“) wirken auf manchen Missgelaunten als Anmaßung einer Schauspielerin.

Selbst in einem „FAZ“-Artikel über die Kommissarschwemme im Ersten wird dieser Tage gegen die Blondine ausgeteilt: „Eigentlich erstaunlich, dass Christine Neubauer und Veronica Ferres noch keinen eigenen ,Tatort’ haben. Und irgendwann ermittelt Bernd das Brot.“ Verkneifen wir uns hier die Bemerkung, dass Ulrike Folkerts und Simone Thomalla schon viele Jahre in der „Tatort“-Stube backen, ohne dass deren Brötchen besser werden, und zeigen lieber den Film „Hafen der Düfte“ (Regie: Peter Gersina, Buch: Phillip LaZebnik, nach Motiven des gleichnamigen Romans von Harold Nebenzal) an.

Raus aus dem Mäkeltal

Die Ferres erhebt sich darin aus dem deutschen Mäkeltal, schnallt die Pumps unter, verstaut die seidene Unterwäsche im Reisekoffer und lässt die blonde Mähne wieder wehen. Als hochgeachtete Kunstexpertin schwebt sie zum Job beim Ehemann (Herbert Knaup) in Hongkong ein, stöckelt mutig durch zwielichtige Nachtclubs, erträgt gegrillte Hähnchenfüße und herunterschmatzende Feistlinge, gewinnt das Herz eines attraktiven Dunkelmanns (Russel Wong), verhilft der Moral zu kleinem Fortschritt. Und wirkt so strahlend und wohlgestaltet und lächelt, als wollte sie den deutschen Neidern sagen: Ich kann auch anders. Seht her, ich bin schön.

Jenseits des deutschen Fernsehhochkunstanspruches mit allen seinen Neid- und Zerknirschungsübungen entsteht in der romantischen Kriminalstory ansehnliches Unterhaltungsfernsehen. Hongkong mit seiner bläulichen Hochhausskyline wird mit der Kamera von Jan Fehse nicht neu erfunden, aber bleibt imponierend präsent. An Damenroben für Ferres und Hotelinterieur wird nicht gespart, aber dümmlich geprunkt wird auch nicht.

Die Handlung dreht sich um edle und weniger edle Dunkelmänner, um den Konflikt zwischen pharisäerhaften Festlandchinesen und der auf ihren garantierten Freiheitsrechten bestehenden lässigeren Kultur der ehemaligen Kronkolonie Hongkong. Und vor allem um die Rettung des altchinesischen Kunsterbes vor geschichtsvertilgender Geldgier.

Zu diesen politischen Problemen kommt noch deutscher Ehe- und Familienknatsch – Eifersucht, Pubertät der Tochter und Karriereproblematik des Gatten. Trotzdem bleibt im Wok der Probleme Platz für den Duft exotischer Erotik. Wenn sich der schöne Lim der schönen deutschen Kunstexpertin nähert, berührt er seine Favoritin – kaum bemerkbar und als Beiläufigkeit getarnt – am Rücken. Ferres, das Inbild blonder deutscher Kühle, zeigt ein kurzes Dahinschmelzen, perfekte Beherrscherin der Zärtlichkeitsstenografie made in Germany.

Erotik made in China ist nicht weniger anregend: Ein alter Oberpate im Rollstuhl, Mr. Kwok (Courtney Wu, im wirklichen Leben Theaterintendant), redet von Duft und Jadewasser und davon, dass ihn der olfaktorische Genuss, der da von der deutschen Frau ausgehe, für ein paar Monate am Leben erhalten werde.

Man kann das nicht zu Ende erklären und aussprechen, was an der Frau die chinesische Poesie als „Hafen der Düfte“ umschreibt. Dafür wäre das deutsche Aussprech- und Tot-Erklär-Movie zuständig. Von dem aber hat sich Ferres in diesem Film zum Glück Urlaub genommen und wartet nicht auf kommissarische „Tatort“-Berufung. Das Aufregende bleibt aufregend.

„Hafen der Düfte“, Samstag, ARD, 20 Uhr 15

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