Medien : Verreisen mit dem Radio

Tom Peuckert

verrät, was Sie nicht verpassen sollten Nun ist Sommer und der Mensch reist in die Ferne. Während der gewöhnliche Tourist einen sicheren Hafen bevorzugt, zieht es die Autoren vom Kulturradio auch an weniger gemütliche Orte. Friedrich Schütze-Quest hat sich in Königsberg umgesehen. Vor genau 750 Jahren wurde die Stadt von deutschen Ordensrittern gegründet. Königsberg war Krönungsort preußischer Monarchen, seit 1945 gehört es zu Russland und heißt Kaliningrad. Heute plagt sich die Stadt mit dem Status einer russischen Exklave mitten im Baltikum. Eine Gegend nicht ohne Identitätsproblem. Für sein Feature „Kaliningrad“ hat Schütze-Quest in der Stadt Stimmen und Atmosphären gesammelt (Kulturradio, 29. Juni, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Barbara Lehmann ist nach Tschetschenien gefahren. Einerseits fand sie dort Oasen bedingungsloser Gastfreundschaft, andererseits riskierte sie ihr Leben zwischen den Bürgerkriegsfronten. Ihr Feature „Die Wahrheit liegt im Untergrund“ zeichnet Spannungslinien im heutigen Tschetschenien nach. Eine Geschichte geopolitischer Machtkämpfe und lokalen Gerangels. Die wirkliche Befriedung des Landes scheint kaum noch vorstellbar (Deutschlandfunk, 1. Juli, 20 Uhr 10, UKW 97,7 MHz).

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Viel behaglicher ist Feature-Autor Garleff Zacharias-Langhans gereist. Ein Kulturtrip in den Westen der Türkei. Sein Ziel waren die versunkenen Städte Kleinasiens. Jene legendären Orte, deren Namen wir aus der europäischen Philosophiegeschichte kennen: Milet, Ephesos, Kolophos. In diesen Städten erblickten berühmte antike Denker das Licht der Welt. Das Feature „Besuch bei Philosophen“ sucht nach den Spuren von Thales, Anaximander, Heraklit und Anaxagoras. Auch Homer und Hesiod haben in Kleinasien gelebt. Die Geburtsorte des abendländischen Denkens liegen tief im Morgenland (Kulturradio, 3. Juli, 14 Uhr 04).

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Alexander Goeb war in Kambodscha. Dort, wo sich einst die Hölle auf Erden befand. Noch heute, so der Autor in seinem Feature „Kennen Sie mich, Bruder?“ geht es in Kambodscha äußerst ungemütlich zu. Niemand redet über die Schrecken der Geschichte, die Mörder leben unbestraft. Aber Goeb ist in diesen traurigen Winkel Asiens gefahren, weil es nun ein bisschen Hoffnung gibt. Kambodschas Regierung und die UNO haben sich auf ein internationales Tribunal geeinigt, das den Terror juristisch untersuchen soll (Deutschlandfunk, 5. Juli, 19 Uhr 15).

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In heitere Regionen entführt uns das Feature „Mehr als ein Gefühl“. Ein vielköpfiges Team junger Autoren hat den Geheimnissen des Tangos nachgespürt. Es geht dabei nicht um die europäisch-aufgeweichte Spielart des Tanzes, sondern um seine strikte Urform als Tango Argentino mit labyrinthischen Schrittkombinationen. (Kulturradio, 2. Juli, 9 Uhr 05).

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